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(de) France, UCL AL #363 - Politik - Musikindustrie: Fuck Spotify (ca, en, it, fr, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Sat, 18 Oct 2025 10:36:22 +0300


Der Musikstreaming-Gigant Spotify glänzt seit Jahren durch seine Verachtung gegenüber Künstler*innen, seine abstoßenden kapitalistischen Taktiken und die eigennützigen Interessen seines milliardenschweren CEO. Ein Überblick über die tausend Gründe, die meistgenutzte Musikstreaming-Plattform Frankreichs zu meiden wie die Pest. ---- Seit seinem Start 2009 ist Spotify heute ein Riese der Musikindustrie. Der Begriff "Industrie" bekommt hier seinen vollen Sinn: 9.000 Angestellte und mehr als 15 Milliarden Euro Jahresumsatz. Das schwedische Unternehmen hat maßgeblich zum Aufstieg des Streamings beigetragen, das in nur 15 Jahren zur dominanten Musik-Hörform geworden ist: In Frankreich nutzen es drei Viertel der Bevölkerung[1].

Die Geburt eines Monsters
Auf diesem Markt beansprucht Spotify historisch den Löwenanteil: 34 % der Nutzer*innen im Jahr 2025[2]. Früher lag dieser Wert sogar über 40 %, der Rückgang ist lediglich dem Markteintritt von Google (YouTube Music) und Amazon in den letzten Jahren geschuldet. An der Spitze des Unternehmens steht Mitgründer und aktueller CEO Daniel Ek, der dank der erzielten Gewinne zum Multimilliardär wurde: 9,2 Milliarden Dollar Privatvermögen im Jahr 2025.

Dieses Kapital entstand nicht von Zauberhand: Spotify ist berüchtigt dafür, Künstlerinnen am schlechtesten zu bezahlen. Derzeit liegt die durchschnittliche Vergütung zwischen 0,003 und 0,005 Dollar pro Stream - also Bruchteile von Cent. Für alle, die nicht Millionen von monatlichen Streams erreichen, sind die Einnahmen folglich unbedeutend. Diese Situation wird regelmäßig kritisiert - zumindest von jenen, die es sich leisten können. Denn genau das ist die Besonderheit dieses Systems: Wenn die Vergütung unklar ist, liegt das daran, dass sie individuell zwischen Künstlerin und Plattform ausgehandelt wird - ein klarer neoliberaler Angriff auf kollektive Verwertungsgesellschaften (siehe Kasten).

Das ist jedoch nicht die einzige Art, wie Spotify die Einnahmen der Künstlerinnen schmälert. Besonders diskutiert wurde zuletzt eine Taktik: der Einsatz von Fake-Artists, deren Musik anonym von Ghostwriterinnen produziert wird. Das Ziel? Playlists mit Titeln füllen, die keine Rechteinhaber haben. Wenn man stundenlang eine "Lo-Fi-Beats"-Playlist hört, könnte Spotify dutzende "Geistertitel" eingeschleust haben, die im Auftrag komponiert wurden - und deren Streaminganteil die Firma komplett einbehält.

Dieses Gerücht kursiert seit Jahren, wurde aber jüngst neu belebt, nachdem auf der Plattform mehrere fiktive Künstler entdeckt wurden, deren Songs offenbar mithilfe generativer KI erstellt wurden. Eine weitere Kostensenkung: Diese Tools können buchstäblich in wenigen Minuten ganze Alben produzieren[3]- der Traum aller Bosse: Musikproduktion ohne Arbeiter*innen.

Wenn Daniel Ek nicht gerade Spotifys Gewinne maximiert oder Militärdrohnen finanziert, investiert er übrigens auch in die private Gesundheitsbranche mit Neko Health. Charmant.
Magnus Höij

Keine Überraschung: noch ein rechter Boss
Zum Künstler*innenverdruss kommen die redaktionellen und finanziellen Entscheidungen des CEOs hinzu. 2020 schloss Spotify einen Exklusivvertrag mit Joe Rogan für seinen Podcast The Joe Rogan Experience ab. Rogan ist in Frankreich weniger bekannt, aber in den USA eine Schlüsselfigur der Alt-Right. Libertär, Unterstützer von Trump 2024, und mit zahlreichen Gästen aus Verschwörungsszene und extremer Rechter - darunter Promis wie Donald Trump und Elon Musk.

Der Podcast ist alles andere als randständig: Er erreicht Dutzende Millionen Abonnent*innen und sendet wöchentlich rund zehn Stunden Gesprächsstoff. Eine gigantische Reichweite, für die Spotify bereit war zu zahlen: 200 Millionen Dollar für drei Jahre 2020. 2024 folgte ein neuer, diesmal nicht-exklusiver Deal über 250 Millionen Dollar.

Doch damit nicht genug: Im Juni enthüllte die Financial Times, dass Daniel Ek über seine Investmentfirma Prima Materia 600 Millionen Dollar in das deutsche Militärtechnologie-Unternehmen Helsing steckte. Helsing entwickelt insbesondere KI für Überwachung und Spionage sowie autonome Kampfdrohnen. Ein dystopisches Programm par excellence.

Liz Perry, Mood Machine, Atria/One Signal Publishers, Januar 2025, 288 Seiten, nur auf Englisch.

Eines Tages gehen - und nicht zurückkommen
Angesichts dieser Zustände kündigten einige Künstler*innen ihren Abschied von der Plattform an, etwa Xiu Xiu, Deerhoof oder King Gizzard and the Lizard Wizard. Doch diese Abgänge bleiben randständig und betreffen zwei Gruppen: solche aus alternativen Szenen, die relativ unabhängig von Spotify sind, und solche, die bereits so bekannt sind, dass sie ohne Plattform auskommen.

Für alle anderen ist es riskant: Spotify ist nicht nur Einnahmequelle. Wegen seiner dominanten Stellung ist es heute die zentrale Kennzahl für Bekanntheit in der Musikindustrie. Bevor Veranstalter buchen, schauen sie auf die Zahl der "monatlichen Hörer*innen" bei Spotify. Eine Null mehr oder weniger kann über Haupt- oder Vorprogramm entscheiden. Auf diese Metrik zu verzichten ist für viele ein existenzielles Risiko.

Bleibt der Boykott durch Nutzerinnen: Nie zuvor gab es so viele Alternativen zu Spotify. Und während deren Kataloge früher ungleich waren, sind sie heute vergleichbar oder sogar besser als der schwedische Platzhirsch. Empfohlen wird, Amazon und Google zu meiden. Und nicht zu vergessen: Um Künstlerinnen zu unterstützen und Big Tech zu umgehen, bleibt der Direktkauf von Musik - physisch oder digital - die beste Wahl.

N. Bartosek (UCL Elsass)

Kasten - Wer verhandelt die Vergütung der Künstler*innen?
Die SACEM vereint die große Mehrheit der französischen Musikschaffenden und verhandelt kollektiv deren Vergütung. Es handelt sich um eine Verwertungsgesellschaft (VG). Vergleichbare Organisationen existieren im Ausland, etwa die GEMA in Deutschland oder BMI und ASCAP in den USA. Wenn Musik im Radio oder Fernsehen läuft, zahlen Sender nicht direkt an die Künstler*innen, sondern an die VG, die eine jährliche Pauschale aushandelt und diese dann nach Reichweite verteilt.

Das System ist nicht perfekt - über SACEMs Probleme könnte man einen eigenen Artikel schreiben -, aber es verschafft Künstlerinnen kollektive Verhandlungsmacht. Spotify hat dieses Gleichgewicht gekippt: Die anfängliche Versprechung, Künstlerinnen direkt zu bezahlen, wurde schnell als Argument genutzt, um VG-Gebühren zu senken. Damit setzt Spotify auf Einzelverträge - sehr zu seinem Vorteil. Stars wie Taylor Swift oder Adele konnten bessere Deals aushandeln, doch die überwältigende Mehrheit hat keine Chance. Dieses Modell schürt Misstrauen gegenüber kollektiven Strukturen und nährt die Illusion des "Selfmade"-Künstlers.

Quellen:
[1]Baromètre des usages de la musique en France, CNM, Oktober 2023.
[2]Tendances audio-vidéo 2025, Arcom.
[3]Siehe die Arbeit der Journalistin Liz Pelly: "The Ghosts in the Machine", Harpers, Januar 2025 (Englisch); "Spotify considère la musique davantage comme un outil que comme une forme d'art", Les Jours, Februar 2025 (Französisch); das Buch Mood Machine.

https://www.unioncommunistelibertaire.org/?Industrie-musicale-Fuck-Spotify
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