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(de) Bolivien: Kinder in Gef=E4ngnissen (ca)

From <tim.klug@telda.net>
Date Sat, 28 Apr 2001 16:41:20 -0400 (EDT)


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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<Uebersetzung>

DIE KINDER DES GESETZES NR.1008

April 2001

Es ist aufschlussreich und motivierend einige Informationen
zu bekommen, die uns - auch wenn sie schon über ein Jahr alt
sind - ein bisschen die Augen oeffnen koennen, was einen As-
pekt der Realitaet unserer bolivianischen Kinder betrifft.
Dadurch werden die Nachrichten aus Presse und Fernsehen zu
verschiedenen Themen mit Bezug auf die Kinder in Bolivien
(Schuhputzer, Kinder-Bergleute, Strassenkinder, Motten<?>,
etc.) ebenso in ein neues Licht gerueckt, wie die enorme
Propaganda der Regierung, die wir taeglich im TV zu sehen
bekommen. Zu dieser Propagande gehoeren der "Kampf gegen die
Armut", regierungstreue Politiker, die ueber Ostern den
Schuhputzern die Schuhe polieren, die Auszeichnung unseres
Presidenten und unseres Erziehungsministers durch die UNESCO
fuer ihre hervorragende und unvergleichliche Arbeit bei der
Erziehung der bolivianischen Kinder, etc.

Meine Informationen beziehe ich hauptsaechlich aus zwei Doku-
mentationen, "Los Ninos de la Ley 1008" und "El Peso de la
Ley 1008", die beide 1995 vom Anden-Informationsnetz "Red 
Andina de Informacion" nach einer Untersuchung der fuenf
Gefaengnisse von Cochabamba <Stadt in Bolivien> veroeffent-
licht wurden. Das zweite Dokument beruht auf der Untersu-
chung und dem Projekt des CAIC (Centro de Apoyo Integral
Carcelario - Zentrum fuer umfassende Gefangenenunterstuet-
zung), das zurzeit an zwei Projekten fuer die umfassende
Erziehung von Jungen, Maedchen und Heranwachsenden arbeitet,
die Kinder der Inhaftierten von San Sebastian und El Abra
sind (Programm 2000-2005). Alle diese Dokumentationen sind
an internationale Organisationen geschickt worden (u.A. UNO,
UNICEF, UNESCO) und auch <...> and die FAS (Fundacion de 
Accion Social) und gemeinnuetzige bolivianische Organsia-
tionen. Selbstverstaendlich hat bis heute von den interna-
tionalen Organisationen keine geantwortet und von den boli-
vianischen fast alle und zwar positiv.

Fuer einen beliebigen Menschen irgendwo auf der Welt mag es
unvorstellbar sein, dass in den bolivianischen Gefaengnissen
nicht nur die Verurteilten wohnen, sondern in zahlreichen
Faellen auch alle naeheren Familienangehoerigen (Ehepartner
und Kinder).

Ich werde kurz die Gruende fuer diese Situation, die Vorge-
schichte, die Entwicklung und die aktuelle Lage zusammen-
fassen. 

1987 waren im Maennergefaengnis von San Sebastian durch-
schnittlich 60 Haeftlinge untergebracht und es wurden im
selben Jahr 8 neue aufgenommen. Im selben Jahr wurden im
Frauengefaengnis 2 neue Haeftlinge aufgenommen. Ein Jahr
spaeter erlaesst die Regierung auf Druck des Anti-Drogen-
Krieges der USA das Gesetz Nr.1008: ein verfassungswidriges
Gesetz, das gegen die Menschenrechte verstoesst, da die
festgenommene Person bereits als schuldig gilt, ohne
Beruecksichtigung der Unschuldsvermutung bis zum Nachweis
der Schuld, wie sie von unserer Verfassung garantiert wird.
1994 wurden 187 neue Haeftlinge im Maennergefangnis und 80
im Frauengefaengnis von San Sebastian aufgenommen. Das
Gesetz 1008 hat nicht die Kinder und auch nicht die Familien
beruecksichtigt. Anhand der verschiedenen Untersuchung kommt
man zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Inhaftierten aus
Bauern besteht, die in der Produktion und/oder beim Trans-
port von Koka und Kokain-Grundpaste in Chapare arbeiten oder
beim Transport von Vorprodukten (z.B. Kerosin, Toilettenpa-
pier). Im vielen Faellen war ein grosser Teil der Inhaftier-
ten unschuldig und musste bis zum Beweis der Unschuld drei
bis vier Jahre im Gefaengnis verbringen. Nach der Entlassung
sieht das Gesetz 1008 keinerlei Entschaedigung vor.

Die Frage lautet: Warum gibt es Kinder im Gefaengnis? Die
Berichte zeigen uns, das sie bei der Inhaftierung des Vaters
order der Mutter, oder in vielen Faellen beider Elternteile,
in die Stadt gezogen werden, ihre Einnahmequellen verlieren,
ihr Land und ihr Haus aufgeben und nur als (Kern-)Familie
im Gefaengnis ueberleben koennen.

1998 ordnete die Regierung wegen Vorfaellen in verschiedenen
Gefaengnissen des Landes an, dass die Kinder und ihre Famili-
en aus den Gefaengnissen entfernt werden (Ein von Frau Ban-
zer gegruendetes Programm mit dem Namen "Sperr meine Kind-
heit nicht ein!"). In Cochabamba gruendete sich ein Komitee
zur Verteidigung der Jungen und Maedchen, damit diese als
Personen behandelt werden und nicht als Objekte, die von ei-
nem Ort zum anderen verschoben werden koennen. Letzteres war
der Fall, als die Regierung beschlossenen hatte, von einen
Tag auf den anderen alle Kinder herauszuholen und sie zum
Ex-Motel eines enteigneten Drogenhaendlers zu bringen. In 
Anbetracht der Tatsache, dass der neue Regierungserlass den
Zusammenhalt und die Einheit der Familie bedrohte, wurde 
fuer die Regierung eine Frist von einem Jahr festgelegt,
innerhald derer die Vorausetzungen dafuer geschaffen werden
sollten, dass der Umzug fuer die Familien moeglichst wenig
traumatisierend erfolgen kann. Die Regierung sollte eine
Diagnose mit Unterstuetzung von verschiedenen zivilen Orga-
nisationen erstellen, die schon seit einigen Jahren mit den
Gefaengnissen zusammen arbeiteten.

Die Bemuehungen zur Zusammenarbeit mit der Regierung waren
vergebens und das Interinstitutionelle Komitte zur Unter-
stuetzung der Jungen, Maedchen und Heranwachsenden aus den
Gefaengnissen machte seine eigene diagostische Untersuchung
in drei Gefaengnissen von Cochabamba: San Sebastian Frauen,
San Antonio und San Sebastian Maenner. (Ich muss hinzufue-
gen, dass die Bemuehungen um eine Zusammenarbeit mit einer
Schlacht <champa guerra? d.Ue.> endeten; die Namen der
Beteiligten moechte ich hier nicht nennen).

Man kam zu folgenden Ergebnissen:

1. Die meisten Gefangenen waren wegen des Gesetzes 1008
verurteilt worden.

2. Die Verzoegerung der Rechtssprechung durch die Regierung
wirkt einschneidend auf den Aufenthalt der Kinder und Frauen
bei ihren Vaetern bzw. Ehemaennern.

3. Eine mangelhafte Infrastruktur, Ueberfuellung und unsi-
chere Lebensbedingungen gibt es in allen drei Gefaengnissen.

4. Die Faehigkeit der Gefaengnisbewohner, mit diesen
schlechten Lebensbedingungen umzugehen, bewirkt, dass die
Entwicklung der Kinder durch diese Umstaende NICHT ernsthaft
gestoert wird.  

5. In den Maennergefaengnissen wurden folgende Daten ermit-
telt: 4,5 Personen pro Familie. Die Kinder sind zwischen 1
und 16 Jahren alt. Die Vaeter sind durchschnittlich 31 Jahre
alt. 75% der Vaeter haben nur eine Grundschulausbildung. Et-
wa 80% der Vaeter sprechen Spanisch und Quechua. Beruflich
waren die Vaeter vor der Gefangenschaft zu 50% in der Land-
wirtschaft und zu 20% als Kraftfahrer taetig. Die Aufent-
haltsdauer im Gefaengnis betraegt durchschnittlich 4,3 Jahre.

Seit 1999 werden alle schulpflichtigen Kinder und deren
Muetter aus dem Gefaengnis entfernt. Die verschiedenen
Institutionen  nehmen sie in iher Aufnahmezentren und Horte
auf. Bis heute stellt die Regierung keine ausreichenden 
Mittel fuer diese Infrastruktur zur Verfuegung. Alle Zentren
finanzieren sich durch Spenden von Privatpersonen, Kirchen
und gemeinnuetzigen Einrichtungen. Die (karge) Nahrung fuer
die Kinder wird vom IWF ueber das Programm PAN finanziert.

Ende 2000 wurde nachgezaehlt, wieviele Kinder es noch in den
Gefaengnissen gibt und es waren etwa 350 Kinder, die mit
Enttaeuschungen und Sorgen leben; im Frauengefaengnis, aus
dem man die Kinder niemals entfernen wird, ebenso wie im
Maennergefaengnis. Warum? Die Vaeter und Muetter haben die
Kinder lieber bei sich im Gefaengnis, als dass sie zu
"Strassenkindern" werden; die Einheit und der Zusammenhalt
der Familie ist fuer sie wichtiger.
Die verschiedenen Hilfszentren (CAIC, Amanecer, Aldea Cristo
Rey) koennen wegen fehlender Ausstattung und Finanzierung
nicht alle aufnehmen.

Para más información:<weitere Info:> 

Red Andina de Información paz@llajta.nrc.bolnet.bo
Tel (4)224384 Cochabamba 

CAIC (Centro de Apoyo Integral Carcelario)
ciss06@mixmail.com
Calle Ladislao Cabrera 483 Cochabamba 

<Original, www.ainfos.ca>
  NINOS EN CARCELES DE BOLIVIA
  From Negrita Z <negrita_z@yahoo.com>
  Date  Fri, 20 Apr 2001 12:24:43 -0500 (CDT)
  Delivered-To  a-infos-ca@tao.ca

<Gesetz Nr.1008, bestehend aus 200 Artikeln>
http://www.congreso.gov.bo/7leyes/leyes/LEYN1008.html


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