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(de) Quebec: Bericht eines Augenzeugen (en)

From I-AFD_2@anarch.free.de (FdA/IFA Hamburg)
Date Wed, 25 Apr 2001 05:02:18 -0400 (EDT)


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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## by command@interlog.com
Bericht ueber Gipfel-Proteste  -  Quebec 2001

Tanzen mit Traenengas in den Augen, von Gary Morton
Bericht und Fotos von Gary Morton
http://www.interlog.com/~command/quebec.htm

* forward and repost. Anyone can use the photos.

Fotos
- Carrying the flag in Tears
http://www.interlog.com/~command/sum1.jpg
- A few marchers
http://www.interlog.com/~command/sum1a.jpg
- It's a gas
http://www.interlog.com/~command/sum1b.jpg
- Smoked out
http://www.interlog.com/~command/sum1c.jpg
- All wet
http://www.interlog.com/~command/sum1d.jpg
- Gas hill
http://www.interlog.com/~command/sum1e.jpg
-Water and Smoke
http://www.interlog.com/~command/sum1g.jpg
- Column of Cops
http://www.interlog.com/~command/sum1h.jpg
- Marchers
http://www.interlog.com/~command/sum1i.jpg
- Front Line
http://www.interlog.com/~command/sum1j.jpg
- Dancers
http://www.interlog.com/~command/sum1k.jpg
- Marchers
http://www.interlog.com/~command/sum1l.jpg
- Marchers
http://www.interlog.com/~command/sum1m.jpg
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Tanzen mit Traenengas in den Augen
von Gary Morton, 21. April 2001

Ich fuhr mit sieben Leuten von Tao Toronto (tao.ca) zur OQP-2001  
Demonstration. Es war mittags sonnig und mehr Leute kamen bis 13.30 Uhr  
an. Trotz all der Hypes, wie die DemonstrantInnen sich kleiden sollten,  
kamen die Leute in allen moeglichen Klamotten an.

Das Trommeln und Tanzen fing dort an und ging weiter, als sich die Demo  
durch die Strassen bewegte. Dann kamen wir auf den Rene-Levesque-Boulevard  
und es wurde verwirrend. Der Zug teilte sich, die meisten gingen gerade  
weiter und verband sich mit der Gewerkschaftsdemo, der andere Teil und die  
AnarchistInnen gingen zum Zaun und zur Riot-Polizei.

Da ich meine FreundInnen in der Menge verloren hatte, war ich schliesslich  
auch am Zaun und kam da in eine lange Auseinandersetzung mit der Polizei.  
Weil ich fotografierte, wurde ich 10mal heftig mit Gas eingedeckt.

Diese Auseinandersetzung ging den ganzen Tag ueber und in die Nacht hinein  
weiter. Sie war noch im Gang, als wir gegen 22 Uhr abhauten. Vielleicht  
habt ihr gehoert, dass die Neue Weltordnung den Irak und Jugoslawien in  
die Unterwerfung bomben wollte - diesmal war das Ziel, die  
DemonstrantInnen und einen grossen Teil der Innenstadt von Quebec in die  
Unterwerfung zu bomben.

Sie eroeffneten mit Traenengasraketen und Wasserkanonen das Feuer auf uns,  
und das Knallen der Schuesse war ueber Stunden in der Stadt zu hoeren.  
Riot-Bullen schossen explodierende Kanister in die Strassen, Parks, in  
schmale Gassen - ueberallhin, auf die Leute vorne und sogar auf normale  
BuergerInnen und EinwohnerInnen in den Strassen am Fuss des Huegels.

Es gab keine Gruppen von mutigen Bullen, die losliefen und Festnahmen  
machten. Wenn sie angriffen und versuchten, uns abzugreifen, dann immer  
zusammen mit enormen Kolonnen von Riot-Bullen, die mehr Traenengasraketen  
auf uns losliessen.

Wie im Irak wollten sie keinen einzigen Mann riskieren, hatten aber kein  
Problem damit, jedeN in der Stadt mit Bomben einzudecken. DemonstrantInnen  
rannen mit unerschoepflicher Energie durch den Qualm und warfen die  
Kanister zurueck zu den Beamten. Die Menge trommelte und schlug auf alles  
- metallene Masten, Gitter, verschiedene Trommelarten - und der schaurige  
Laerm des Kriegs erreichte den Hoehepunkt in der Nacht unter der  
Unterfuehrung, wo eine grosse Menge tanzte, als der Kampf oberhalb eines  
steilen Abhangs weiterging. Riot-Bullen und DemonstrantInnen hatten  
Konfrontationen, dichte Gasschwaden schwebten durch die Strassen und  
Kanister flogen den Abhang hinunter und expolodierten; einige Personen  
wurden vom Gas ueberwaeltigt, aber andere tanzten mit Traenen in den Augen  
weiter.

Am Nachmittag rannte ich von Schauplatz zu Schauplatz. Ueberall passierten  
unglaubliche Dinge. Als ich an einer Stelle ankam, sah ich einen Typen  
losrennen und den Zaun ergreifen, und dann traf ihn ein abgeschossener  
Gaskanister im Gesicht und er flog aufs Pflaster. Sanis zogen ihn weg und  
ich sah, wie sie sein blutendes Gesicht behandelten. Ein paar Minuten  
spaeter waren sie weg und ich warf Steine und eine Bierflasche auf die  
Riot-Bullen und rannte dann weg durch eine Gasse, waehrend dicht hinter  
mir Traenengaskanister explodierten.

In einem anderen Gebiet traf ich AnarchistInnen in schwerer Ausruestung,  
die eine enge Strasse hochgingen und sah zu, wie sie ein Gebaeude  
innerhalb des eingezaeunten Bereichs mit Molotow-Cocktails in Brand  
setzten. Manchmal rannten ueberalle Menschen in Panik und die Riot-Bullen  
rueckten unter Abschiessen von Gas vor. Die DemonstrantInnen kaempften  
sich zurueck zum Ausgangspunkt des Konflikts. Unglaubliche Mengen von Gas  
traf uns dort und massive Polizeikolonnen kamen und verursachten ein  
panisches Rennen in die Strassen am Fuss des Huegels. Als die  
Bullenkolonnen anhielten, gingen sofort Cheerleaders nach vorne und es gab  
die merkwuerdige Szene, wie Riot-Bullen im Qualm sich anschickten, auf  
tanzende Frauen in karierten Roecken loszugehen.

Die Trommler gaben einen gleichmaessigen Schlag vor, ein Einwohner der  
Quebecer Innenstadt hatte auf seinem Balkon seine Anlage voll aufgedreht -  
Pink Floyd: All in All You're Just Another Brick in the Wall, und als das  
Lied zuende war, rannten wir im explodierenden Gas den Huegel runter.

In den untengelegenen Strassen und der Innenstadt waren ueberall Gruppen  
von DemonstrantInnen, die sassen, standen oder Strassen bevoelkerten.  
Trotzdem ging die einzige Gewalt von der Polizei aus. Ich sah kleinere  
Feuer, es gab fast keine Beschaedigungen - der Zorn richtete sich gegen  
die Polizei und den Zaun und jedesmal, wenn die Riot-Polizei kam, zeigten  
die DemonstrantInnen den Mut, den die Polizei nicht hatte. Die Leute  
gingen enorme Risiken ein und ergriffen die Bomben, rannten los und warfen  
alles moegliche auf die Polizisten und verhinderten, dass diese  
gewaltfreie Gruppen einkesseln und festnehmen konnten.

Ein Typ wurde von einer ganzen Kolonne von Bullen plattgemacht. Es geht in  
der Nacht weiter. Bald werden sich die Bullen im Gaensemarsch  
zurueckziehen und Festnahmen und ihren Sieg bekanntgeben.

Und es wird mal wieder Demokratie genannt werden - wo Bomben herrschen und  
die Neue Weltordnung siegreich ist.

Tanzen koennt ihr nur mit Traenengas in den Augen.

Fuck the FTAA!

Gary
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Uebersetzung: FdA Hamburg


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