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(de) Italy, FAI, Umanita Nova #17-26 - Globaler Wettbewerb, soziale Fragilität. Die Natuzzi-Krise und der Wandel im Polstermöbelviertel (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Sun, 9 Aug 2026 07:13:57 +0300


"Wir sind ein globales Unternehmen." Die Worte von Pasquale Natuzzi während der öffentlichen Stadtratssitzung von Santeramo bringen die aktuelle Situation wohl am besten auf den Punkt - nicht nur bei Natuzzi, sondern im gesamten Polstermöbelviertel zwischen Apulien und Basilikata. ---- Jahrelang galt dieses Viertel als eine der Erfolgsgeschichten des italienischen Kapitalismus: regional verwurzelte Fabriken, lokales Unternehmertum, hohe Beschäftigungszahlen und weltweite Exporte. Santeramo, Altamura, Matera, Laterza, Ginosa: Namen, die einen bedeutenden Teil der Industrielandschaft Süditaliens geprägt haben.

Heute jedoch offenbart diese Geschichte all ihre Widersprüche. Der langwierige Natuzzi-Konflikt, der sich über Monate mit Ministergesprächen, regionalen Treffen, Industrieplänen und gescheiterten Verhandlungen hinzog, ist mehr als nur eine Unternehmenskrise. Es geht um etwas Tieferes: den Wandel des Verhältnisses zwischen Wirtschaft, Region und Arbeit im Kontext der heutigen Globalisierung.

Das Unternehmen spricht offen über Umstrukturierung, Wettbewerbsfähigkeit, Outsourcing, Reshoring, wirtschaftliche und finanzielle Stabilität sowie die Anpassung seines Geschäftsmodells. Die Sprache ist typisch für globale Konzerne, in denen lokale Gemeinschaften und Arbeitsplätze primär unter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Nachhaltigkeit und der Fähigkeit, internationalem Wettbewerb standzuhalten, betrachtet werden. Tatsächlich ist Natuzzi heute nicht mehr nur ein großes lokales Werk. Es ist ein an der Wall Street notiertes Unternehmen mit über tausend Filialen weltweit, das eine internationale Expansion in London, Singapur und China anstrebt und gleichzeitig seine Produktionsstruktur in der Murgia-Region umgestaltet.

Einerseits werden neue Filialen angekündigt, zusammen mit Investitionen in Marketing, internationale Geschäftsentwicklung, integrierte Logistik und die Gründung neuer Dienstleistungsunternehmen. Andererseits werden Stellenabbau, Werksschließungen, Personalversetzungen, Vorruhestandsregelungen, Entlassungen und Lohnkostensenkungen diskutiert.
Hier erhält der Satz "Wir sind ein globales Unternehmen" seine wahre Bedeutung.

Es geht nicht nur um den weltweiten Verkauf von Produkten. Vor allem bedeutet es, dass die Region in einen permanenten Wettbewerb mit anderen Regionen tritt.
Santeramo konkurriert mit Rumänien. Die Murgia-Region konkurriert mit anderen internationalen Produktionsstandorten. Und die Beschäftigten stehen unter Druck, innerhalb einer globalen, kostenorientierten Lieferkette mit anderen Beschäftigten zu konkurrieren.
Tatsächlich geht es in den Verhandlungen unter anderem um Reshoring, also die mögliche Rückverlagerung eines Teils der derzeit ins Ausland verlagerten Produktion nach Italien. Doch auch diese Rückverlagerung ist an eine Bedingung geknüpft: wirtschaftliche Tragfähigkeit. Anders ausgedrückt: Produktion ist hier nur zulässig, wenn sie ausreichend profitabel ist.
In diesem Sinne eliminiert die Globalisierung die Region nicht. Sie macht sie zu einer wirtschaftlichen Variable. Jahrzehntelang funktionierte der Industriestandort als relativ integrierte Produktionsgemeinschaft, basierend auf lokalen Arbeitskräften, lokalen Lieferketten, weitverbreitetem Wissen und einer engen Verbindung zwischen Fabrik und Gesellschaft. Das Wachstum der Unternehmen ging zumindest teilweise mit dem der Region einher, in der sie ansässig waren.

Heute jedoch scheint sich dieses Modell grundlegend verändert zu haben.

Der Bezirk kann nur überleben, wenn er in einer globalen Lieferkette, die von Kostendruck, Produktionsverlagerung und Finanzialisierung geprägt ist, wettbewerbsfähig bleibt.

Und hier zeigt sich ein weiterer deutlicher Widerspruch. Einerseits wird Natuzzi von Institutionen weiterhin als Symbol für das produktive Apulien, als lokales Aushängeschild, als Symbol für Exzellenz "Made in Italy" und beinahe als Leuchtfeuer der industriellen Entwicklung Süditaliens dargestellt. Andererseits dreht sich die gesamte Diskussion über die Zukunft des Konzerns jedoch um die Notwendigkeit, Kosten zu senken, die Produktion umzustrukturieren, Aktivitäten auszulagern, Anreize für den Ausstieg zu schaffen und soziale Sicherungssysteme zu nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten.

Auch die Rolle der Regionen fügt sich in diese Logik ein. Es ist die Rede von Steuererleichterungen, aktiver Politik, Ausbildungsfonds sowie öffentlichen Förder- und Investitionsinstrumenten. In der Praxis wird die Region aufgefordert, den Fortbestand des globalen Unternehmens finanziell zu unterstützen, um dessen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Produktionsstandorten zu sichern.

Auch die Rede von "Null Redundanz" verdeutlicht diese Ambivalenz. Die Entlassungen verschwinden nicht wirklich: Sie wandeln sich in Vorruhestandsregelungen, Abfindungsangebote, Versetzungen, Mobilität und Entlassungen um. Das soziale Problem wird nicht beseitigt, sondern im Laufe der Zeit verlagert und nach und nach von der lokalen Gemeinschaft und dem öffentlichen Wohl aufgefangen.
Es ist kein Zufall, dass die Gewerkschaften von Arbeitern sprechen, die "doppelt zahlen": als Fabrikarbeiter mit reduzierten Löhnen und jahrelanger Sozialhilfe, und als Bürger durch die dem Unternehmen garantierte staatliche Unterstützung.

Und das ist vielleicht der wichtigste politische Aspekt dieser Geschichte.
Soziale Sicherungssysteme, die einst ein außergewöhnliches Instrument zur Bewältigung vorübergehender Krisen darstellten, sind heute fester Bestandteil des Produktionsmodells. Die Krise erscheint nicht länger als Ausnahme, sondern als Dauerzustand des industriellen Lebens.

Gleichzeitig wächst der finanzielle Druck. Der Börsengang an der New Yorker Börse, Budgetschwierigkeiten, das Risiko eines Delistings und Verzögerungen bei den Lohnzahlungen zeigen, wie selbst ein traditionsreiches italienisches Produktionsunternehmen in die Logik des globalen Finanzwesens eingebunden ist.

So ist der Fall Natuzzi nicht mehr nur ein lokaler Streit.
Er wird zur Geschichte eines umfassenderen Wandels: des Kapitalismus, der zwar die Marken, Symbole und die Rhetorik der Region beibehält, Produktion, Arbeit und Investitionen aber zunehmend nach globalen Rentabilitätskriterien organisiert.

Jahrelang galt das Polstermöbelviertel als Vorbild für regionale Entwicklung. Heute zeigt sich das Gegenteil. Wenn ein Unternehmen sagt: "Wir sind ein globales Unternehmen", bedeutet das auch, dass seine Beziehung zur Region kein stabiles Band mehr ist, sondern ständig von globalem Wettbewerb, finanzieller Rentabilität und dem Streben nach Kosten- und Arbeitskostenreduzierung herausgefordert wird.

Und in diesem Wettbewerb erkennen die lokalen Gemeinschaften plötzlich, dass sie nicht mehr das Zentrum der Industriegeschichte sind, sondern nur noch eine Variable unter vielen. Die Arbeiter hatten dies jedoch bereits auf die harte Tour gelernt.

Totò Caggese

https://umanitanova.org/competizione-globale-fragilita-sociale-la-crisi-natuzzi-e-la-trasformazione-del-distretto-del-mobile-imbottito/
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