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(de) Italy, FAI, Umanita Nova #20-26 - Züge mit Verspätung. Betrachtungen über freiwillige Knechtschaft (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Thu, 6 Aug 2026 07:44:58 +0300
Vor etwa einem Monat brach ein kleiner politischer Skandal aus, den
viele wohl schon wieder vergessen haben. Doch er verdient Beachtung,
denn er spiegelt so treffend das Klima unserer Zeit wider. - Alles
begann mit einer Werbekampagne von Italia Viva, die in großen
italienischen Bahnhöfen, insbesondere in Rom Termini und im Mailänder
Hauptbahnhof, zu sehen war. Die Plakate verwendeten Grafiken, die
bewusst von Plakaten aus der zwanzigjährigen faschistischen Ära
inspiriert waren, und spielten mit dem bekannten nostalgischen Slogan
"Als er da war". Nur dass hier Giorgia Meloni im Fokus stand.
Auf einem der Plakate stand: "Als sie da war, hatten die Züge Verspätung."
Auf einem anderen: "Als sie da war, war Italien weniger sicher."
Der Ton war eindeutig provokativ, ironisch und darauf ausgelegt,
Aufmerksamkeit und Kontroversen zu erregen. Eine fragwürdige Aktion?
Wahrscheinlich. Aber durchaus im Rahmen des normalen Propagandakonflikts
eines politischen Wahlkampfs.
Die Geschichte nimmt jedoch eine interessante Wendung, als bekannt wird,
dass Grandi Stazioni Retail - das Unternehmen, das die Werbeflächen in
den Hauptbahnhöfen verwaltet - Änderungen an der Kampagne beantragt
hatte, um deren Verlängerung zu genehmigen. Italia Viva spricht umgehend
von Zensur und beruft sich sogar auf Artikel 21 und 68 der Verfassung.
Natürlich treffen innerhalb weniger Stunden Dementis, Klarstellungen,
Hintergrundgeschichten und Meldungen von "nahen Quellen" ein.
Ministerien weisen jeglichen Druck von sich, Unternehmen berufen sich
auf ihre Unabhängigkeit, Parteien schreien nach einem Skandal, und
Zeitungen überbieten sich in ihren Behauptungen.
Bislang bewegen wir uns im üblichen Theater der italienischen Politik.
Doch der wirklich interessante Aspekt kommt von woanders.
Denn diese Geschichte führt uns plötzlich zurück zu einem Text aus dem
16. Jahrhundert: Étienne de La Boéties "Discours de la freiwillige
Knechtschaft". Die Frage, die La Boétie aufwarf, war einfach und
erschreckend: Wie kann Macht so fest verankert sein, selbst wenn sie
gehasst wird?
Seine Antwort lautete, dass Regierungen nicht allein durch Gewalt oder
Repression existieren. Sie überleben vor allem dank der spontanen
Zusammenarbeit vieler Menschen, die aus Bequemlichkeit, Gewohnheit,
Angst oder schlichter Konformität den Machthabern dienen, ohne dass
ihnen explizite Befehle erteilt werden müssen.
Und genau diesen Mechanismus scheinen wir heute zu beobachten.
Es gibt keinen Hierarchen, der anruft und die Entfernung der Plakate
anordnet. Es gibt keinen Präfekten, der die Polizei schickt. Es gibt
kein Propagandaministerium. Es gibt etwas viel Moderneres. Es gibt
umsichtige Manager, Apparate, die "die Stimmungslage interpretieren",
Aktiengesellschaften, die Unannehmlichkeiten vermeiden wollen,
Kommunikationsabteilungen, die Probleme lieber verhindern, Beamte, die,
wie man so sagt, "königstreuer als die Königin" werden.
Und hier wird die Geschichte beinahe komisch. Denn die Plakate sollten
den Eindruck eines autoritären Trends erwecken. Und das System, das
versucht, die Situation zu kontrollieren, reagiert letztendlich genau
so, dass diese Erzählung bestätigt wird. Wäre es ein Drehbuch, würden
manche es für zu belehrend halten, um glaubwürdig zu sein. Natürlich
muss man weder Renzi noch Italia Viva wohlgesinnt sein, um das Problem
zu verstehen. Es geht nicht um die Qualität der Werbekampagne. Es geht
um die Geschwindigkeit, mit der in öffentlichen oder halböffentlichen
Strukturen der Reflex der präventiven Normalisierung aktiviert wird.
Das ist der moderne Aspekt der freiwilligen Unterwerfung.
Die heutige Macht muss oft nicht einmal offen zensieren. Es genügt,
wahrgenommen zu werden. Es genügt, eine bestimmte Atmosphäre zu
erzeugen. Es genügt, die Grenze des Erträglichen anzudeuten. Den Rest
erledigen Beamte, Manager, Vermittler, Verwaltungsangestellte,
Marketingmanager und Experten für Vorsicht.
La Boétie verstand das schon vor fünf Jahrhunderten: Die wirksamste
Unterwerfung ist die, die nicht aufgezwungen werden muss.
So ist die Lehre aus dieser kleinen Eisenbahngeschichte vielleicht ganz
einfach: Züge werden wohl auch weiterhin Verspätung haben. Doch
freiwillige Knechtschaft dieser Art ist in Italien nach wie vor absolut
pünktlich.
Totò Caggese
https://umanitanova.org/treni-in-ritardo-riflessioni-sulla-servitu-volontaria/
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