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(de) France, Monde Libertaire - Geschichtsseiten Nr. 131: Marc Bloch, ein großer Historiker auch ohne Pantheon (ca, en, it, fr, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Wed, 5 Aug 2026 07:37:10 +0300


Auch wenn Leser vielleicht keine glühenden Verehrer großer Männer oder gar Patrioten sind, muss man anerkennen, dass Beisetzungen im Pantheon einen Vorteil haben können: Sie können den Wissensfortschritt fördern. Aus dieser Perspektive ist die Beisetzung des Historikers und Widerstandskämpfers Marc Bloch besonders passend, so sehr, dass es angesichts ihrer schieren Anzahl unmöglich ist, sie alle zu erwähnen. Zur Erinnerung: Zwischen den beiden Weltkriegen war Marc Bloch ein führender Mittelalterhistoriker. Er und Lucien Febvre gründeten die damals innovative Zeitschrift *Les Annales* mit dem Untertitel *Wirtschafts- und Sozialgeschichte*. Die Zeitschrift, die die Grenzen der Geschichte überwinden und ihr eine quantifizierbare und statistische Dimension verleihen wollte, ermöglichte es, langfristige Umbrüche zu messen.

Marc Bloch stammte aus einer säkularen und republikanisch geprägten jüdischen Familie aus dem Elsass und Lyon. Mütterlicherseits waren die Ebsteins Kaufleute in Lyon. Väterlicherseits waren die Blochs Historiker; sein Vater lehrte Alte Geschichte an der Sorbonne. Geboren 1886 in Lyon und 1904 in Paris niedergelassen, trat der junge Bloch in die Fußstapfen seines Vaters, absolvierte die École Normale Supérieure und wurde anschließend Geschichtsprofessor. Der Hauptunterschied lag im Studienzeitraum: Marc beschäftigte sich mit mittelalterlicher statt mit antiker Geschichte. Wie alle seiner Generation wurde er mobilisiert und diente während des Krieges als Hauptmann im Nachrichtendienst. 1919 wurde er an die Universität Straßburg berufen und veröffentlichte dort die Ergebnisse seiner Forschungen zum mittelalterlichen Feudalismus und später zur sakralen Dimension der Monarchie. Mithilfe der Anthropologie zeigte er, dass die vermeintliche Heilkraft der Herrscher auf einem Glaubensprozess beruhte. Bloch revolutionierte die Forschungsmethoden. Er setzte seine Studien zum ländlichen Frankreich im Mittelalter fort und präsentierte so keine Geschichte von oben, sondern eine Zivilisation, in der die Menschen präsent waren.

Nach seinem Studium in Straßburg wurde er an die Sorbonne berufen, nachdem ihm aufgrund des latenten Antisemitismus in der intellektuellen Gemeinschaft eine Stelle am Collège de France verweigert worden war. Bloch schrieb weiterhin mit großem Engagement für die Zeitschrift *Les Annales* und veröffentlichte mehrere bedeutende Texte, die später neu aufgelegt wurden.

1940, nach der Niederlage im Blitzkrieg, verfasste er einen Text, der 1946 posthum unter dem Titel *L'étrange défaite* (Die seltsame Niederlage) veröffentlicht wurde. Darin reflektiert er die Ursachen des raschen Zusammenbruchs der französischen Gesellschaft angesichts des Nationalsozialismus und bietet eine historische Perspektive darauf. Diese Fragmente dieses Hauptwerks sollten durch ein weiteres ergänzt werden: *Apologie pour le métier d'historien* (Eine Verteidigung des Historikerberufs). In dieser als methodisches Manifest gedachten Sammlung betont er, dass dieser Beruf die Hinterfragung der eigenen Vorurteile erfordert und dass Zeugnisse in erster Linie eine Epoche und eine Vision vermitteln, nicht aber tatsächliche Fakten, die oft durch die Erinnerung verzerrt sind.

In Anerkennung seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg wurde Marc Bloch vom Bildungsminister die Erlaubnis erteilt, weiterhin in der Südzone zu unterrichten. Er schloss sich rasch der Résistance an und lebte fortan im Untergrund. Anschließend leitete er das Netzwerk "Franc-Tireur" und später die Vereinigten Widerstandsbewegungen in Lyon. Anfang März 1944 wurde das Netzwerk zerschlagen. Marc Bloch wurde verhaftet und am 16. Juni von der Gestapo hingerichtet.

Sein faszinierendes Leben wird in einer fesselnden Graphic Novel zusammengefasst. Der Zeichenstil ist klassisch, die Graphic Novel aber besonders lehrreich. Auch die Darstellung der Nazi-Gewalt, die zu seiner Hinrichtung und der der 28 anderen Widerstandskämpfer führte, die dasselbe tragische Schicksal erlitten, ist bemerkenswert realistisch. Ebenso realistisch ist die Darstellung der Grausamkeit und Absurdität der Gewalt im Ersten Weltkrieg. Seine nun neu aufgelegten Kriegsschriften unterstreichen dies. Der Krieg war eine absurde Grausamkeit, in der Gerüchte oft die Realität verdrängten und politische Konstrukte über die Menschlichkeit gestellt wurden. Darüber hinaus enthält die Graphic Novel zahlreiche Texte von Bloch und hebt so seine bedeutenden Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte hervor. Sie verdeutlicht zudem seine Leidenschaft für das Lehren und Vermitteln von Wissen.

Peter Schöttlers Biografie ist bemerkenswert. Vor einigen Jahrzehnten veröffentlichte der Forscher eine kontroverse Arbeit über die Bourses du Travail (Arbeitsbörsen). Dies mag ihn auch dazu veranlasst haben, Marc Blochs Schriften besondere Aufmerksamkeit zu schenken. So erfahren wir, dass der junge Absolvent der École Normale Supérieure sich leidenschaftlich für die Geschichte der Arbeiterklasse einsetzte. Dies galt auch dreißig Jahre später; in *L'étrange défaite* (Die seltsame Niederlage) findet sich eine von Bewunderung geprägte Hommage an Fernand Pelloutier. Gleichzeitig zeigt er subtil auf, dass wir uns vor patriotischen und nationalistischen Vereinnahmungen Marc Blochs hüten müssen. Der Autor war natürlich kein Libertärer, aber andererseits auch weit davon entfernt, konservativ zu sein. Ein Mann der Linken, ein Sozialist in den Anfängen der Dritten Republik. Vor allem aber war er Historiker, der verstehen wollte und seine Leser dazu anregte, sich intensiv mit der untersuchten Epoche auseinanderzusetzen, um deren wahre Bedeutung zu erfassen fernab der mittelmäßigen Analysen von heute, deren Endstadium letztlich das Panthéon darstellt. Das soll nicht heißen, dass Bloch zu etwas gemacht werden soll, was er nicht war. Der von der Institution geprägte Mann hing besonders an republikanischen Ehren und Funktionen. Eine Analyse seiner Beziehungen zu seinen Kollegen, insbesondere zu Lucien Febvre, dem Mitbegründer der Zeitschrift "Les Annales", zeigt, dass zwischen ihnen zwar ein Machtkampf herrschte, sie sich aber dennoch ergänzten: Febvre besaß ein starkes Überlegenheitsgefühl und eine ausgeprägte Geschichtsauffassung, während Bloch die zivilisatorische Dimension wiederherstellen wollte, wie die Neuauflage von "Die ursprünglichen Merkmale des ländlichen Frankreichs" belegt. Bloch spürt archäologischen, sprachlichen und geographischen Spuren nach und widmet vor allem den anonymen Massen der Bauern viel Raum.

Der Autor bietet zudem reichhaltige Kapitel über Freundschaften, soziale Interaktionen und die Lehren von Marc Bloch, der, wie es scheint, ein ausgezeichneter, altmodischer Lehrer war: Er erklärte, um die Dinge verständlich zu machen.

Eine gekonnte und nuancierte Biografie, die diese intellektuelle Reise wunderbar einfängt.

Das zeigt, dass das Pantheon intellektuell betrachtet durchaus einen Zweck erfüllt, selbst wenn kommerzielle Motive nicht völlig außer Acht gelassen werden...

Jean-David Morvan, Suzette Bloch, Laurent Bideau
Marc Bloch, der kämpfende Historiker
Tallandier 2026, 104 Seiten, 23 EUR

Die seltsame Niederlage
Marc Bloch
Gallimard 2026, 296 Seiten, 22 EUR

Lob der Geschichte oder das Handwerk des Historikers
Marc Bloch
Colin 2026, 410 Seiten, 23 EUR

Kriegsschriften
Marc Bloch
Colin 2026, 314 Seiten, 22,90 EUR

Die ursprünglichen Merkmale der ländlichen Geschichte
Marc Bloch
Colin 2026, 384 Seiten, 23,90 EUR

Peter Schöttlër
Marc Bloch: Ein Intellektuelle Biografie
Gallimard, 2026, 560 Seiten. 27,50 EUR

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