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(de) Germany, LIKOS: Kein AfD-Stammtisch in Osnabrück! - Redebeitrag (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Sun, 21 Sep 2025 07:52:02 +0300
Unser Redebeitrag auf der Kundgebung "Kein AFD-Stammtisch in Osnabrück"
der Kampagne "Den Rechten die Räume nehmen" am 26.07.2025 ---- Antifa
heißt Klassenkampf - mehr als eine Phrase! ---- Hallo liebe
Genoss:innen, liebe Passant:innen in der Johannisstraße. Die AfD hatte
wieder einen Ort für ihre Treffen und erneut haben wir gemeinsam dafür
gesorgt, dass sie ihn verloren haben. Das wir Faschist:innen den Raum
nehmen, um sich zu organisieren und zu vernetzen ist wichtig und
richtig. Davon müssen wir hier wohl niemanden überzeugen. Wie 2023
konnten wir dafür sorgen, dass die AfD rausfliegt, ihre Reaktion ist
eigentlich auch dieselbe Leier. Obwohl es in Osnabrück schon spezielle
Formen annimmt. So wähnt sich der Vorsitzende der AfD Osnabrück Florian
Meyer offenbar in einer Art politischen Endkampf, wenn er schreibt
"Lasst uns gemeinsam voranschreiten, ungebeugt, unerschütterlich,
siegessicher[...]und wir werden siegen. Ich stelle mich[...]diesem
freiheitsfeindlichen Verhalten mit ganzer Kraft entgegen". Auch wenn
Florian verlässlich für einen guten Mix aus Belustigung und Fremdscham
sorgt, wer sich das Rumgeheule der AfD, hier wie bundesweit, anschaut
wird feststellen, dass sich der moderne Faschismus auf Freiheit beruft.
Das mag zunächst widersprüchlich erscheinen, schließlich sind
Faschist:innen doch die Feinde der Freiheit?!
Doch Faschismus ändert sich, ebenso wie die gesellschaftlichen
Verhältnisse sich ändern und diese bringen ihn schließlich immer wieder
hervor. Lehnte der historische Faschismus bürgerliche Freiheit ab, gibt
es heute kaum eine faschistische Mobilisierung ohne auf diese Bezug zu
nehmen. Moderne Faschist:innen wähnen sich in einer Rebellion gegen den
totalen Staat. Es lohnt sich genauer anzuschauen, was Faschist:innen mit
"Freiheit" meinen und woher es kommt, dass sie davon sprechen.
Sie meinen damit die Freiheit alles tun zu können was sie wollen,
letztlich ist es die Freiheit des Eigentums auf die sie bewusst oder
unbewusst Bezug nehmen. Denn in einer kapitalistischen Gesellschaft
gehört das Eigentum an Produktionsmitteln (also bspw. Maschinen und
Server) Einzelnen, sie können damit erstmal tun was sie wollen, haben
erheblichen Einfluss damit auf unser aller Leben und es ist die
Grundlage für die Ausbeutung. Dieser Freiheitsbegriff ist die Grundlage
für den Bezug der Faschist:innen - sie identifizieren sich mit der
Macht. Allerdings genügt das nicht, um zu erklären, warum sich die
politische Rechte heute so sehr darauf bezieht und vor allem damit
Menschen mobilisiert bekommt, denn Privateigentum gab es auch schon vor
100 Jahren.
Die letzten Jahrzehnte sind die Jahrzehnte des Neoliberalismus: Der
Zerschlagung der Arbeiter:innenbewegung - sozialdemokratisch wie
kommunistisch - der Atomisierung und Vereinzelung von Menschen, der
Zugriff des Kapitalismus auf alle Teile der Welt, der maximalen
Ausbreitung der Ideologie, dass wir alle unseres Glückes Schmied seien
und der Individualisierung gesellschaftlicher Probleme. Der Lack vom
neoliberalen Glückversprechen ist ab, spätestens seit der Krise
2007/2008. Die Prägung durch neoliberale Ideologie wie den
Gesellschaftsumbau, die Vereinzelung, dass es keine kollektiven
Antworten mehr auf gesellschaftliche Probleme mehr gibt, dass Politik
eigentlich nur noch Sachzwangverwaltung meint und das Märchen "There is
no alternative" sind geblieben. Das bringt entsprechende faschistische
Mobilisierungen hervor, die sich auf einen entsprechenden
Freiheitsbegriff zurückgreifen.
Hinzu kommt die Klimakrise. Die kapitalistische Produktionsweise
zerstört (perspektivisch) die Lebensgrundlage des Menschen, hier und
erst recht anderswo. Es bräuchte radikale Veränderungen um das
aufzuhalten, stattdessen wird individueller Verzicht gepredigt. Das
Angebot der politischen Rechten lautet hier, sehr runtergebrochen, dann
einfach auf alles scheißen zu können und die Klimakrise schlicht zu
leugnen - das meinen sie auch hier mit Freiheit. Eine kollektive und
demokratische Lösung der Klimakatastrophe können sich weder sie, noch
die bürgerlichen Parteien überhaupt vorstellen.
Das bedeutet nicht, dass sich die modernen Faschist:innen, trotz ihres
Geredes nicht dem Staat unterordnen wollen. Doch das wollen sie, ein
Blick in die USA genügt dafür. Unterordnen und Identifizieren mit
Autorität, die verspricht genau diesen Begriff von "Freiheit"
rücksichtslos umzusetzen.
Was heißt das jetzt für uns Antifaschist:innen?
Faschist:innen müssen bekämpft werden. Sie müssen in ihrem Handeln
eingeschränkt werden, antifaschistischer Selbstschutz, gerade in
Anbetracht des Erstarkens rechter Jugendgruppen muss aufgebaut werden.
Aber das genügt nicht. Diese Gesellschaft bringt Faschismus hervor und
prägt ihn, wie wir versucht haben zu zeigen, auch konkret. Das heißt
tatsächlicher Antifaschismus muss als Ziel haben, diese kapitalistische
Gesellschaft abschaffen und auch auf diese ganz konkrete Prägung
reagieren, das geht nicht ohne Organisierung: Zusammentun,
Bildungsarbeit, Koordination das alles muss eine Organisation leisten.
Wenn es stimmt, dass diese Gesellschaft Faschismus als Möglichkeit in
sich birgt und gerade in Krisenzeiten besonders hervorbringt und wenn es
stimmt, dass die Zerschlagung der Arbeiter:innenbewegung, bei allem was
an ihr zu kritisieren ist und die Vereinzelung den modernen Faschismus
prägen, dann heißt das: Antifaschismus muss mehr sein, als das "bloße"
Bekämpfen von Rechten. "Antifa heißt Klassenkampf" ist dann nicht bloß
eine altbackene Parole. Wenn es aber mehr sein soll als das, muss es
auch umgesetzt werden. Das heißt mit Menschen ins Gespräch kommen,
tatsächlich versuchen Menschen zu erreichen, Streiks unterstützen und
Organisierungsarbeit leisten. Wir haben da auch kein Patent-Rezept, auch
wir müssen lernen wieder Bewegung zu werden, aber lasst es uns gemeinsam
versuchen.
In diesem Sinne: Für einen revolutionären Antifaschismus!
https://likos.noblogs.org/2025/07/26/kein-afd-stammtisch-in-osnabrueck-redebeitrag/
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