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(de) Germany, Die Platform: Ob AfD oder Ampel-Regierung: Nur von unten können wir den Rechtsruck stoppen! (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Fri, 16 Feb 2024 09:54:14 +0200
Am 10. Januar veröffentlichte das Recherche-Netzwerk "Correctiv" einen
Bericht über ein privates Treffen von Identitären, AfD-Politiker:innen,
Konservativen und Unternehmer:innen im November 2023. ---- Der Inhalt
dieses Berichts dürfte viele, die sich schon länger mit der Neuen
Rechten, ihrer Ideologie und ihren Plänen zur Machtübernahme befassen,
wenig überrascht haben. Neu war vor allem, wie konkret faschistische
Ideolog:innen bereits die millionenfache rassistische Vertreibung
migrantisierter Menschen diskutieren und wie selbstverständlich hohe
Funktionär:innen der AfD und des rechten Rands der CDU an dieser
Diskussion teilnehmen. Die Resonanz der bürgerlichen Politik und der
Medien war und ist enorm. Bis in CDU und FDP hinein warnen
Politiker:innen vor der rechten Gefahr, prangern die AfD an und ergehen
sich in Phrasen über die Verteidigung der Demokratie. Zeitungen,
Talkshows und Podcasts sind voll mit Berichterstattung über die Pläne
der Rechten und Rufen nach einem energischen Handeln der Politik und der
sogenannten Zivilgesellschaft.
Und diese mobilisiert tatsächlich auf die Straße. In allen deutschen
Großstädten finden in diesen Tagen Großdemonstrationen statt. Die Zahlen
scheinen sich mit jeder neuen Demonstration noch zu überbieten.
Organisiert wird der Protest in den meisten Städten von äußerst breiten
Bündnissen, die von Teilen der radikalen Linken, über NGOs und
DGB-Gewerkschaften bis zu den bürgerlichen Parteien und ihren
Jugendorganisationen reichen. Die Vertreter:innen dieser Parteien, ob
sie nun Olaf Scholz oder Nancy Faeser heißen, applaudieren sogleich treu
dem demokratischen Protest gegen die Rechten. Hundertausenden Menschen
verschaffen die Proteste gerade Raum, um ihre Wut und ihre Ablehnung
gegenüber dem seit Jahren andauernden Aufstieg der AfD und dem
Rechtsruck insgesamt auf die Straße zu tragen. Es gibt Kraft, zu sehen,
dass es so viele andere gibt, die den aufkeimenden neuen Faschismus
nicht schweigend akzeptieren wollen. Die es nicht hinnehmen, dass in
Hinterzimmern daran geplant wird, sie selbst oder ihre Partner:innen,
Freund:innen, Kolleg:innen und Nachbar:innen gewaltsam zu vertreiben.
Das Zeichen, das diese Demonstrationen in Richtung der Rechten genauso
wie in Richtung noch unentschlossener oder unmittelbar bedrohter Teile
der Gesellschaft senden, ist wichtig und es ist deshalb richtig und gut,
dass wir gemeinsam auf die Straßen gehen!
Aber wir dürfen uns auch nicht selbst täuschen: Demonstrationen sind
Symbole von Widerstand. Sie alleine können den Aufstieg der Rechten
nicht aufhalten. Wie oft haben wir gesehen, dass nach
rechtserroristischen Attentaten, Anschlägen auf Asylheime und Hetzjagden
auf migrantisierte Menschen in kurzer Zeit zehntausende Menschen auf die
Straße gingen? Und wie schnell flauten die Proteste und damit auch die
Empörung wieder ab? Die Umfragewerte der AfD gingen unbeirrt davon
weiter in die Höhe. Wenn wir den Rechtsruck wirksam bekämpfen wollen,
dann brauchen wir eine breit aufgestellte antifaschistische
Massenbewegung. Diese muss verankert sein in unseren Arbeitsplätzen,
Nachbarschaften, Schulen und Universitäten. Sie muss in der Lage sein,
die faschistischen Parolen inhaltlich zu widerlegen; den Faschist:innen
überall, wo sie sich raustrauen, um sich zu treffen, Wahlkampf zu machen
oder zu demonstrieren, öffentlichen Protest entgegenzusetzen; und nicht
zuletzt auch militant gegen Infrastruktur und Personal der Rechten zu
agieren. Einen Ausgangspunkt für das was notwendig wäre, gibt es
bereits. Offene antifaschistische Treffen, antifaschistische und
antirassistische Gruppen und Bündnisse. Es muss jetzt darum gehen, diese
Ansätze zu stärken und zu verbreitern. Dazu kann jede:r von uns
beitragen, indem wir uns den bestehenden Strukturen anschließt und sie
unterstützen. An vielen Orten muss eine antifaschistische Bewegung
nahezu von Grund auf aufgebaut werden. Hier sind Gewerkschaften,
Stadtteilorganisationen, Schüler:innensyndikate und Hochschulgruppen der
richtige Ort, um eine antifaschistische Arbeit zu entwickeln.
So wichtig es ist, dass wir uns nun organisieren und anfangen gemeinsam
zu kämpfen, so wichtig ist es, dass wir uns bewusst werden, wer unsere
Gegner:innen sind. Die Rechten, das ist natürlich die AfD und ihr
außerparlamentarisches Vorfeld aus Thinktanks, Jugendgruppen und lokalen
rechten Netzwerken. Das ist auch immer noch die alte Neonaziszene, die
in den letzten Jahren stark an Bedeutung verloren hat und doch noch
immer gefährlich ist. Es sind aber auch - und da darf kein Zweifel
aufkommen - die bürgerlichen Parteien und die Regierungen, die sie
bilden. Die selbe Regierung, deren Funktionär:innen mit viel Pathos
gegen Deportationspläne der AfD anreden und dem antifaschistischen
Protest applaudieren, hat in der vergangenen Woche mit dem
zynischerweise so benannten "Rückführungsverbesserungsgesetz" eine
massive Verschärfung des deutschen Asylrechts beschlossen. Sie arbeitet
in der EU gerade daran, Massenlager an den europäischen Außengrenzen zu
schaffen. Sie betreibt ständigen Sozialabbau, der massenweise
unzufriedene Lohnabhängige in die Arme der AfD treibt. Die gleichen
Parteien, die nun den Antifaschismus hochhalten, haben über Jahre alles
getan, um die antifaschistische Bewegung zu kriminalisieren. In den
Knästen dieses Staates sitzen Menschen, weil sie nicht zugesehen haben,
wie Faschist:innen sich immer mehr Räume erobern. Die Ampel genauso wie
die bürgerlichen Regierungen vor ihr ist verantwortlich für den Aufstieg
der Rechten, setzt ihre rassistischen Forderungen schon heute in
praktische Politik um. Der Kapitalismus, den sie verteidigt, bringt den
Faschismus erst hervor, macht ihn möglich. Eine antifaschistische
Bewegung muss sich entschieden gegen AfD, die bürgerlichen Parteien, die
in der Bevölkerung immer noch weit verbreiteten rassistischen und
antisemitischen Einstellungen, den Kapitalismus und den bürgerlichen
Staat richten.
Es ist daher auch bedenklich, mit der Forderung nach einem Verbot der
AfD alle Hoffnungen in die Institutionen dieses Staates zu setzen.
Aktuell sieht es nicht danach aus, als ob sich die bürgerlichen Parteien
überhaupt auf ein solches Unterfangen einigen können. Es würde zudem
Jahre dauern und gerade im Fall der AfD ist der juristische Erfolg in
keinster Weise sicher. Sollte die AfD dennoch verboten werden fallen ihr
Strukturen, Geld und Mandate weg - doch die Menschen und ihre
reaktionären Ideologien in Form von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus
und Queerfeindlichkeit, die den Aufstieg der AfD erst möglich gemacht
haben, sind noch immer da und es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein
Verbotsverfahren sie sogar noch festigen und radikalisieren würde. Ein
Verbot der AfD wäre also maximal eine Atempause bevor sich rechte Kräfte
zu einer neuen Partei umgruppieren oder andere Strategien wählen. Nicht
vernachlässigt werden sollte außerdem die Signalwirkung, die ein solches
Verfahren für die bürgerlichen Parteien hätte: treffen doch staatliche
Repressionen gegen Rechts zumeist als nächstes fortschrittliche Kräfte.
Statt also darauf zu vertrauen, dass uns der bürgerliche Staat vor den
Rechten rettet, müssen wir auf unsere eigene Stärke vertrauen. Die
antifaschistische Massenbewegung bleibt das wirksamste Mittel im Kampf
gegen die Faschist:innen. Lasst uns also heute damit anfangen, sie
aufzubauen. Schulter an Schulter auf den Straßen unserer Städte und
Plätzen unserer Dörfer.
Die antifaschistische Bewegung aufbauen!
Kein Fußbreit den Rechten!
https://www.dieplattform.org/2024/01/26/ob-afd-oder-ampel-regierung-nur-von-unten-koennen-wir-den-rechtsruck-stoppen/#more-2859
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