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(de) Aktuelles aus der ArbeiterInnen-Bewegung in Russland
From
faub1@fau.org (Osteuropa AG der FAU-IAA)
Date
Sun, 21 Mar 1999 08:51:52 -0500
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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
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Aktuelles aus der ArbeiterInnen-Bewegung in Russland
1. Arbeiterkampf und Selbstverwaltung in Jasnogorsk
2. Allrussisches revolutionäres Arbeiterkomitee in Gründung
* * * * * * * * * *
1. Arbeiterkampf und Selbstverwaltung in Jasnogorsk
Die ArbeiterInnen des Maschinenbauwerks in der Kleinstadt Jasnogorsk in der
Region Tula (130 km südlich von Moskau) haben etwa ein Jahr lang keinen
Rubel Lohn erhalten. Im Herbst 1998 gingen sie in den Streik und besetzten
das Werk. Damit wollten die ArbeiterInnen gegen die drohende Privatisierung
durch die Betriebsleitung protestieren und verhindern, dass sie die Anlagen
und Erzeugnisse des Werks verkaufen. Zu diesem Zweck haben sie das Werk
unter ihre Kontrolle gebracht. Dieser Fall ist besonders wichtig, weil er
das einzige Beispiel eines selbstorganisierten und basisdemokratischen
Arbeitskampfes in Russland darstellt. Alle Entscheidungen über die
Situation, Maßnahmen im Betrieb oder den Verkauf der Erzeugnisse des Werks
werden in Vollversammlungen getroffen, die jeden zweiten Tag durchgeführt
werden. Der "Rat der Arbeitskollektive" ist aus einfachen ArbeiterInnen
zusammengesetzt, die keine Vollmächte oder Privilegien haben. Er spielt die
Rolle eines öffentlichen Streikkomitees und ist frei von jeglichem
politischen oder parteiischen Einfluss.
In Jasnogorsk arbeiten 4.200 Menschen aus einer Bevölkerung von 20.000 im
Maschinenbauwerk. Somit ist das Werk auch das Leben der Kleinstadt. Im
Dezember 1998 gingen 10.000 JasnogorskerInnen auf die Straße und
blockierten die Eisenbahnlinie nach Moskau, um Druck für die Freilassung
ihrer inhaftierten AnführerInnen zu machen und gegen die drohende
Privatisierung ihres Werks zu protestieren.
Bezeichnenderweise sind sowohl die "JelzinistInnenen" als auch die
"KommunistInnen" gegen die ArbeiterInnen eingestellt. Die Tulaer Region
wird von der "oppositionellen" Kommunistischen Partei regiert, aber die
regionale Regierung ist ein schlimmer Feind der jasnogorsker ArbeiterInnen
und führt die gleiche Wirtschaftspolitik wie die neoliberale HerrscherInnen
im russischen Staatsapparat.
Im Februar 1999 wurde das Maschinenbauwerk unter staatliche
Zwangsverwaltung gestellt, nachdem sie für zahlungsunfähig erklärt worden
war. Die neue Verwaltung wird versuchen, die Kontrolle der ArbeiterInnen
über das Werk zu brechen und die ArbeiterInnen zu zwingen, die Arbeit unter
neuen Bedingungen und ohne Lohn wieder aufzunehmen. Die neue Verwaltung
leitete repressive Maßnahmen ein: jegliche Versammlungen und
Streikmaßnahmen wurden verboten. Die ArbeiterInnen wollen das Verbot aber
nicht beachten und streiken weiter. Es ist möglich, dass in den nächsten
Wochen die Polizei ins Werk bestellt wird.
Die kämpfenden ArbeiterInnen in Jasnogorsk brauchen internationale
Solidarität. Das Beispiel dieses selbstorganisierten Kampfes ist für die
ArbeiterInnen in Russland sehr wichtig und verdient die Unterstützung der
internationalen anarchosyndikalistishcen Bewegung.
Wir bittten alle GenossInnen im Ausland eindringlich,
Solidaritätstelegramme an die ArbeiterInnen des jasnogorsker
Maschinenbauwerkes zu schicken um gegen die geplante Unterdrückung zu
protestieren.
Die Adresse für Telegramme lautet:
Yasnogorski Mashinostoitelny Zavod, Profkom
Tul'skaya oblast, gorod Yasnogorsk
301030 Russian Federation
V. Damier, KRAS-IAA, Moskau
2. Allrussisches revolutionäres Arbeiterkomitee in Gründung
"VertreterInnen der Arbeiter-Organisationen einiger Fabriken der Städte
Rostow am Don (Südrussland) und Jaroslawl (250 km nordöstlich von Moskau)
haben beschlossen, ein Allrussisches revolutionäres Arbeiterkomitee zu
gründen. Ihr Ziel ist die Durchsetzung folgender grundlegender Forderungen
der dort arbeitenden Menschen und aller ArbeiterInnen Russlands:
1. Der Rücktritt Präsident Jelzins.
2. Die Einführung der Arbeiterkontrolle in den Betrieben und den
wichtigsten Wirtschaftszweigen, um Massenentlassungen und die Auflösung der
Betriebe zu verhindern.
3. Die Versorgung aller ArbeiterInnen des Landes mit den notwendigsten
Lebensmitteln, mit Bekleidung und Wohnraum.
4. Die Schaffung eines allen zugänglichen Systems der mittelschulischen und
höheren Bildung sowie eines vollwertigen Gesundheitswesens.
Die Realisierung dieser Forderungen der Arbeitenden ist nur durch die
Einrichtung der realen Arbeitermacht möglich. Dafür ist es notwendig,
Organe der Selbstverwaltung wie Arbeiterkomitees, Streikkomitees und
Sowjets zu schaffen, und zwar in den Betrieben, Städten und Dörfern. Ferner
ist es unabdingbar, lokale, regionale und allrussische Organe der
Volksmacht aus VertreterInnen der in den Betrieben bereits entstandenen
Selbstverwaltungsorgane zu bilden.
EinE jedeR VertreterIn der Arbeiterkollektive kann kurzfristig aus einem
Organ der Volksmacht - auf beliebiger Ebene - abberufen werden, sobald dies
von dem Arbeiterkollektiv, das ihn oder sie delegiert hat, gefordert wird.
Alle Arbeitenden, die gegen das bestehende Regime protestieren, rufen wir
dazu auf, örtliche Organe der Selbstverwaltung (Arbeiterkomitees,
Streikkomitees, Sowjets) zu schaffen und ihre Protestversammlungen und
-aktionen landesweit mit Hilfe des Allrussischen revolutionären
Arbeiterkomitee zu koordinieren."
Kontakt: RUSSLAND, 3344091 Rostow-na-Donu, a/ja 1173 (keinen Namen
angeben).
Aus: Prjamoje Djejstwije, Nr. 14 (1998-1999).
Anmerkung des Übersetzers: Die Moskauer Ortsgruppe der Konföderation der
revolutionären AnarchosyndikalistInnen (KRAS-IAA), die sich kürzlich zu
"Union der Arbeitenden aller Berufe" (MPST-IAA) umbenannt hat, unterstützt
aktiv das Allrussische Revolutionäre Arbeiterkomitee.
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Osteuropa-AG der FAU-IAA
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Schliemannstr. 22
10437 Berlin
E-Mail: FAUB1@FAU.ORG
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