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{Info on A-Infos}
(de) Bericht aus Solo
From
bernhard@wildcat.rhein-neckar.de (be)
Date
Sun, 21 Mar 1999 08:51:19 -0500
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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
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Warta Buruh: Arbeiternachrichten aus Indonesien
Bericht aus Solo, 19.3.99
Siehe auch das Interview vom Oktober 98:
http://www.rhein-neckar.de/~wildcat/Tyf-Int.html
und:
http://www.rhein-neckar.de/~wildcat/aaktuell.html
Am 3. August 98 traten 1727 im KRKB (Komite Reformasi Kaum
Buruh) organisierte Arbeiter der PT Tyfountex in Solo in
den Streik. Sie wurden von der Firma ausgesperrt/entlassen.
Nachdem einige Gerichtsurteile schon zu Gunsten der
ArbeiterInnen ergingen, hat vor etwa einem Monat die Firma
vor dem Obersten Gericht in Jakarta gewonnen. Die
LBH-(Rechtshilfe) Anwaelte in Jakarta, die die Sache der
Tyfountex-ArbeiterInnen vertreten, haben aber Berufung
eingelegt. Die juristische Schiene ist also noch nicht
ausgereizt. Es ist allerdings unklar, wie gut dabei die
Aussichten sind, die ArbeiterInnen sind geteilter Meinung.
Die Erfolgschancen hingen davon ab, wie dann die politische
Lage ist.
Obwohl der finanzielle Druck enorm ist - in Indonesien
gibt es weder Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe - geben
die Streikenden nicht nach. Die Firma setzt die
ArbeiterInnen schon laenger unter Druck, die angebotene
Abfindung zu nehmen, unter anderem mit der Behauptung,
dass es spaeter gar nix gibt. Es gab auch andere
Einschuechterungsversuche. Von den urspruenglich 1700
Streikenden sind schon frueher 200 aus dem KRKB ausgetreten
und haben die Abfindung genommen. Ausserdem haben bis 18.3.99
fuenf KRKB-Mitglieder sich abfinden lassen. Innerhalb des
KRKB hat es aber auch Auseinandersetzungen gegeben, ob
man nicht doch das Geld nehmen und um hoehere Abfindungen
verhandeln soll.
Einige der Ausgesperrten haben schon bei anderen
Textilfirmen in Solo oder Semarang wieder Jobs gekriegt,
obwohl das bei 25% Arbeitslosigkeit schwierig ist. Andere
sind im "Dienstleistungssektor" taetig (betreiben Essenstaende
etc.), etliche mussten wieder aufs Land zu den Eltern zurueck.
Jetzt gibt es jedenfalls eine Minderheit im KRKB, die die
Abfindung nimmt, ohne das KRKB zu verlassen. 500
ArbeiterInnen werden bis Mitte naechster Woche abgefunden.
Sie verlieren damit ihre Ansprueche im Falle eines
juristischen Sieges. Aber auch fuer sie hat sich der Kampf
bereits gelohnt. Die im Gesetz vorgesehene
Mindestabfindungssumme ist ein Monatslohn. Der KRKB hat
fuer die abfindungsbereiten Mitglieder hoehere und nach
Betriebszugehoerigkeit gestaffelte Summen ausgehandelt.
Bei einem Jahr Betriebszugehoerigkeit gibt es einen
Monatslohn, plus 5% Bonus, das sind 146.300 Rp + 5%. Fuer
12 Jahre Arbeit gibt es z.B 1,2 Mill. Rp.
Der KRKB wollte eigentlich, dass alle 500 die Abfindung
gemeinsam vor dem Depnaker-Gebaeude (Arbeitsbehoerde) abholen,
mit der Begruendung, dass die ArbeiterInnen fuerchten, betrogen
zu werden. Das haben sie nicht durchsetzen koennen. Die
ArbeiterInnen muessen das Geld bei der Firma abholen und
auch nicht gemeinsam, sondern nur 100 pro Tag. Am ersten
Tag der Auszahlung gibt es gleich eine Panne (wegen der
Bankenkrise??). Die Firma hat den Beginn fuer 10Uhr
angekuendigt, es stellt sich aber heraus, dass es erst ab
14Uhr Geld gibt. Die ArbeiterInnen, einige davon schwanger,
muessen vor dem Fabriktor warten. Wohl um Zwischenfaellen
vorzubeugen, hat die Firma etliche Schlaegertypen mit
schwarzen Muetzen angeheuert, die vor dem Tor rumstehen.
Diese gehoeren nicht zum normalen Werkschutz. Es ist wirklich
bizarr, diese bulligen Gestalten im Vergleich zu den
wartenden ArbeiterInnen, die fast ohne Ausnahme klein und
duenn sind, jedenfalls wenn sie keinen dicken
Schwangerschaftsbauch haben. Wenn eine der Frauen aufs
Klo muss, wird sie gnaedig aufs Werksgelaende gelassen.
Die anderen 1000 ArbeiterInnen sind stur und haben die
Abfindung abgelehnt, auch weil sie zu wuetend auf die Firma
sind. Im Laufe des Kampfes sind etliche zu Aktivisten
geworden, die nicht nur den Streik bei Tyfountex im Auge
haben, sondern auch Kontakt zu anderen Arbeitergruppen
in anderen Staedten suchen. Sie versuchen auch, in anderen
Firmen in Solo zu organisieren, besonders da, wo
KRKB-Mitglieder Jobs gefunden haben. Sie sind gut ueber
die Arbeiterkaempfe in Indonesien informiert, z.B. der Streik
bei Maspion (in Surabaya) wird immer wieder erwaehnt. Das
KRKB, obwohl urspruenglich der Anstoss von radikalen Studenten
kam, ist eine reine ArbeiterInnenorganisation, die Studenten
in Solo, und in anderen Staedten auch, haben ihre eigenen
Organisationen und sind nicht so an den ArbeiterInnen
interessiert.
Das KRKB gibt eine kleine Zeitung, eigentlich nur eine
kopierte Doppelseite, heraus, die Warta Buruh
(Arbeiternachrichten). Sie wird fuer 250 Rp. vor den Fabriken
oder an den KRKB-Anlaufstellen, den Poskos, verteilt. In
Solo gibt es ca. 20 Poskos, jeder wird von einigen Dutzend
Leuten frequentiert.
Um den Mitgliedern das Ueberleben zu erleichtern, hat das
KRKB eine Koperasi(Genossenschaft) gegruendet, Streikgeld
gibt es natuerlich nicht. Die Koperasi kauft (u.a. von
Spendengeldern und Beitraegen der Mitglieder) in groesseren
Mengen Nahrungsmittel und verteilt diese. Um etwas Geld
zu verdienen, stellen Genossenschaftsmitglieder aus Nuessen
Knabberzeug her und verkaufen es auf dem Markt.
Einmal pro Woche ist Versammlung des KRKB. Dabei werden
nicht nur Tagesprobleme, sondern auch politische Fragen
diskutiert, das Thema Revolution ist dabei kein Tabu. Die
Frage, wie sie sich vorstellen, dass aus dem Kampf fuer
bessere Arbeitsbedingungen, hoehere Loehne, dem "oekonomischen"
Kampf also, der Kampf fuer eine andere Gesellschaft wird,
stoesst auf Unverstaendnis. Sie sehen da keine Trennung. Ob
die Revolution in Indonesien auf der Tagesordnung steht?
"Belum" ist die Antwort: Noch nicht.
Stand unseres Spendenaufrufs: 7,2 Millionen Rp. (ca. 1400
DM). Vielen Dank!
Spendenkonto:
YULI EKO NUGROHO, No 2112865412, Bank Niaga, Cabang Solo,
Slamet Riyadi, Indonesia
Stichwort:Tyfountex
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