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(de) Quebec: Verbrechen: Filmen/Auszug (en)

From I-AFD_2@anarch.free.de (FdA/IFA Hamburg)
Date Thu, 26 Apr 2001 04:52:16 -0400 (EDT)


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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## by chuck@tao.ca
> From: alias salem <salim@mashriq.org>

[Link zu den Fotos, die ich gerade machte, als die RCMP auf mich schoss:
> http://www.mashriq.org/Studio220/harmsway.ram ]


Printing the Bricks
Ich erinnere mich an die Zeit, als ich eine Menschenrechtsanwaeltin in  
Nordirland aufnahm und wie sie die Polizeirepression in dem Land  
beschrieb. Wie die Polizei als Repressionsmacht fuer die britische Krone  
eingesetzt wuerde. Ich erinnere mich auch, wie unser Polizeichef in San  
Francisco, eine fuehrende Persoenlichkeit in unserer irischen Community,  
behauptete, dass die Polizei in Nordamerika nicht wie die in Nordirland  
sei, dass unsere Polizei dazu da sei, uns zu schuetzen. Ich kann mich an  
diese Worte nur mit Unbehagen erinnern, da sie einen voelligen Gegensatz  
zum Vorgehen der Royal Mounted Police Force in der Provinz Quebec am  
letzten Wochenende stehen.

Quebec ist eine schoene Landschaft mit sanften Huegeln und Bergen. Es  
erinnerte mich sehr an Frankreich, nicht nur wegen seiner franzoesischen  
BewohnerInnen, sondern auch wegen der Landschaft. Die Geschichte der  
franzoesischen ImmigrantInnen und ihres Verhaeltnisses zur Anglo-Mehrheit  
ausserhalb von Quebec - in Quebec sind die franzoesischen BewohnerInnen in  
der Mehrheit - ist die einer gestoerten Beziehung, in der die einen die  
anderen in einer ungerechten Weise kontrolliert. Vor der Teilnahme am  
Widerstand an diesem vergangenen Wochenende konnte ich nicht behaupten,  
auch nur ansatzweise die Autonomiebewegung von Quebec zu verstehen. Das  
tue ich immer noch nicht, aber die Gemeinsamkeiten zwischen den Quebecois  
und den anderen Autonomiebewegungen ist jetzt offensichtlich, gleich ob  
dies PalaestinenserInnen, IrInnen oder die Zapatistas in Mexiko sind. Was  
ich als Antwort auf Autonomiebestrebungen erlebte, war eine nie zuvor  
erlebte staatliche Repression auf dem anglo-amerikanisch dominierten  
Kontinent von Nordamerika.

Die meisten fuhren nach Quebec, um gegen das FTAA zu protestieren, mit dem  
die Reichen versuchen, eine "demokratische" Plattform zu installieren, die  
von oben nach unten arbeitet. Die Proteste selbst waren gekennzeichnet von  
militantem Widerstand und nicht von der Forderung, das FTAA zu  
reformieren. Die Stimmen des Protests sprachen Englisch, Spanisch und  
Franzoesisch. Die englische Stimme des Protestes forderte wahre  
Demokratie, einige forderten Reformen, einige Gewaltlosigkeit, einige den  
militanten Widerstand. Die spanische Stimme forderte Gleichheit. Die  
franzoesische Stimme forderte Befreiung und Solidaritaet.


Non-Violence Was Walled Out

Der gewalttaetige Charakter der Proteste bildete die zentrale Kontroverse  
nicht nur bei den reformorientierten liberalen Anglos, sondern auch bei  
den pazifistisch orientierten AnarchistInnen. Der gewalttaetige Charakter  
der Proteste stand jedoch fest, bevor einE DemonstrantIn den Fuss auf die  
Strasse gesetzt hatte, da die anglo-dominierte Royal Canadian Mounted  
Police eine Sicherheitszone um das gesamte Gebiet eingerichtet hatte, in  
dem sich die Fuehrer der 34 "demokratischen" Staaten trafen, um den  
"Freihandel" zu diskutierten. Dieser einbetonierte Metallzaun sollte alles  
verhindern, vom buergerlichen Ungehorsam der Blockaden bis zur  
Verhinderung des Treffens. Die Wirkung des Zauns sagte mehr aus, als die  
Erbauer des Zauns wollten. Da der Zaun von den Quebecois als Affront gegen  
ihre nationale Identitaet gesehen wurde, wurde er zum Beispiel fuer Anglo- 
Uebergriffe gegen franzoesische Kultur und Lebensweise. Da der gewaltlose  
buergerliche Ungehorsam nicht ging und die Wut ueber den Zaun vorhersehbar  
wuchs, nahmen die Leute gegen den Zaun und gegen die sogenannten  
demokratischen Fuehrer der westlichen Hemisphaere die Waffen auf.


Der Schwarze Freitag

Der Freitag fing ruhig und mit viel Enthusiasmus an. Die DemonstrantInnen  
sammelten sich massenhaft in der Universitaet Laval. Dort waren ca. 10.000  
AktivistInnen aus verschiedenen Zusammenhaengen, von liberalen Reformern  
mit Gandhi-Zitaten bis zu den AnarchistInnen aus den Schwarzen Block mit  
Bakunin-Zitaten. Mit einem breiten Spektrum an kreativen Auesserungen des  
Widerstands gegen den "Freihandel" ging die Demo los und teilte sich in  
drei Zuege. Der gelbe Teil waren die Leute, die bei gewaltlosen direkten  
Aktionen Verhaftungen riskieren wollten, der Gruene fuer die, die kreativ  
protestieren, aber nicht verhaftet werden wollten, und der militante Rote  
mit einer Reihe von Strategien mit einer Bandbreite von Gewaltlosigkeit  
bis hin zu Zerstoerung von Sachen als buergerlicher Widerstand. Die  
Polizei bekaempfte den Roten Block mit Wasserwerfern, weil eine Shell- 
Station beschaedigt worden war, waehrend der Gelbe und Gruene Block unter  
dem Beifall der EinwohnerInnen durch Quebec liefen - das Gegenteil von  
dem, was mensch sonst von einer Bevoelkerung erlebt, die gegenueber den  
Aussenseitern misstrauisch ist, die in ihre Stadt kommen, um zu  
demonstrieren. Einmal stoppte der Gelbe Block auf der Strasse und hielt  
dadurch den Verkehr auf, waehrend die OrganisatorInnen eine Erklaerung  
verlasen, dass die Armut abgeschafft werden muss. Als der Zug den  
Innenstadtbereich erreichte, schloss sich dort eine  
Gewerkschaftsdemonstration vom Gipfel des Volkes den anderen  
DemonstrantInnen an und alle Bloecke gingen zusammen zum Zaun.

Der Zaun war schon zuvor von strategischen AktivistInnen aus dem Schwarzen  
Block beschaedigt worden, daher war die Polizei auf eine Stoerung am Zaun  
vorbereitet, als die Demo das Gebiet erreichte. Der Konfliktpunkt entstand  
an einer Kreuzung mit einer Ueberfuehrung, die auf eine Hauptstrasse  
muendet, die Cote d'Abraham. Junge AnarchistInnen kletterten auf den Zaun  
und setzten ihr Gewicht ein, um die Betonstuetzen durch Schaukeln zum  
Kippen zu bringen. Dahinter nahm eine Riot-Einheit Aufstellung, mit  
Traenengaskanistern in der Hand. Als die Schaukelbewegungen des Zauns  
staerker wurden und drei Zaunteile wackelten, explodierte ein Gaskanister  
und graue Rauchschwaden wehten durch die Reihen der DemonstrantInnen.  
Viele husteten, und viele - so wie ich - waren auf das Gas nicht  
vorbereitet nach einem so tollen Marsch und zogen sich huegelaufwaerts  
zurueck, um die Augen zu spuelen. Obwohl ich es da noch nicht wusste,  
sollte der Rest des Freitags ein surreales Spiel von Traenengas-Ping-Pong  
werden, da eine stundenlange Konfrontation begann, und zuerst waren es  
DemonstrantInnen gegen das FTAA und zum Schluss wurde es ein nationaler  
Konflikt der Quebecois.

Zwischen den DemonstrantInnen und den Riot-Bullen ging es hin und her,  
manchmal war es Wut, manchmal waren es richtige Karnevalszenen. Die  
Kanister regneten auf die DemonstrantInnen herab, und die ein oder andere  
clevere AktivistIn warf sie fix auf die Riot-Polizei hinter dem Zaun  
zurueck und die graue uebelriechende Schwaden stiegen in den blauen  
Himmel. Bei einem Vorfall wurde es zur Wut und ein Hagel von Steinen,  
Flaschen, Stoecken, Rohren und zurueckgeschmissenen Traenengaskanistern  
prasselte auf die Riot-Polizei. Bei einem anderen Vorfall beruhigten die  
pazifistischeren AnarchistInnen und QuebecerInnen die Menge soweit, dass  
sie sich im Schneidersitz vor den Zaun setzen und Rave-Music wehte durch  
die Luft und die Baesse droehnten in aehnlicher Weise wie die  
explodierenden Traenengaskanister. Ein Typ parodierte die Polizei durch  
ein Megaphon: "Bitte bleiben Sie ruhig, sie brauchen keine Angst haben.  
Kein Grund zur Ueberreaktion, wir stellen keine Bedrohung dar."

Schliesslich lies die Polizei eine weitere Runde Gaskanister los und  
raeumte das Gebiet und nahm Leute fest, die noch laenger vor Ort blieben.


Der noch schwaerzere Samstag

Am Samstag morgen war es ruhig, als die Sonne auf die franzoesische  
Provinzhauptstadt schien. Der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee durchzog  
das Gebiet um das Independent Media Center. Es war eher wie im Urlaub in  
Europa als wie auf einer grossen anti-kapitalistischen Aktion, aber die  
Schlagzeilen der Zeitungen verrieten den wahren Zweck der Anwesenheit so  
vieler besorgter BesucherInnen. Vendredi Noir schrieben die Schlagzeilen -  
Schwarzer Freitag. Wenn der Freitag schon schwarz war, dann war der  
Samstag noch schwaerzer und auch blutiger. Nochmal fing der Tag festlich  
an und mindestens 35.000 DemonstrantInnen gingen auf die Strasse, um den  
Widerstand des Volkes gegen Geheimverhandlungen in einer geschlossenen  
Zone hinter einem Zaun zum Ausdruck zu bringen.

Es war wie ein Fest und als die Leute sich versammelten, wurden  
franzoesische Quebec-Faehnchen an die TeilnehmerInnen verteilt. Ein  
grosser Ballon von Greenpeace trug eine Erklaerung gegen das FTAA. Die  
Gewerkschaften hatten auch ihre Fahnen dabei und so sah es mit den  
verschiedenen bunten Farben mehr wie eine Regenbogendemonstration aus als  
ein Marsch gegen den Freihandel. Und dann waren da noch die schwarz- 
gekleideten Kids, die von den Gewerkschaftsordnern offen veraechtlich  
behandelt wurden. Zu Anfang der Demo sah ich, wie die Ordner mit roten  
Westen auf einen Anarchist zeigten, der dann von der Polizei in einen Van  
gezogen wurde. Die radikalen Cheerleaders legten nun auch los. Ein paar  
Minuten spaeter teilte sich die Menge, als ein Kontingent einer  
kanadischen Gewerkschaft sich dem Schwarzen Block anschloss und gemeinsam  
gegen den Zaun vorging.

Die AktivistInnen ruettelten kurz am Zaun, dann wurde schon die naechste  
Runde Traenengas auf die DemonstrantInnen losgelassen. Die Leute hasteten  
davon, um aus dem Gas zu kommen. Die Demonstration ging unterhalb der  
Konfrontation weiter; die Traenengaswolken trieben auf die Demonstration  
zu und die Leute husteten. Die Demonstration war eine eindrucksvolle  
Darstellung der verschiedenen kreativen Ausdrucksformen der  
DemonstrantInnen. Eine Mischung von American Steelworkers aus New York,  
von Quebecer Gewerkschaften und kanadischen Gewerkschaften. Dazwischen  
anarchistische Bloecke, die mal hier und mal da waren, einige als  
Kontingente des Schwarzen Blocks, einige als Art and Revolution, einige  
als Ya Basta.
<snip>

Die beeindruckendste Gruppe waren 100 Personen, die als Geschaeftsleute  
verkleidet waren; diese franzoesische Gruppe fuehrte eine Pantomime auf,  
sie sahen eilig auf die Uhren, zogen gleichzeitig die Schultern vor dem  
Wind hoch und zwischendurch hielten sie sich gleichzeitig die Ohren zu wie  
eine karikierende Darstellung der Skulptur "Der Schrei". Hinter ihnen war  
eine riesige P.J.-Morgan-Puppe, die ihnen befahl zu gehorchen, und ihre  
Muender waren mit Computerpreisschildern zugeklebt, wie sie in  
Warenhaeusern zu sehen sind. Dies war der Hoehepunkt der festlichen  
Stimmung an dem Tag, von da an griffen mehr und mehr militante anti- 
autoritaere AntikapitalistInnen den Zaun an. Mit jeder Angriffswelle kam  
eine heftigere Reaktion von der Polizei sowohl gegenueber den gewaltlosen  
DemonstrantInnen wie auch gegen die, die Steine warfen.

Ich war zum CMAQ, dem Independent Media Center, zurueckgegangen, um ein  
bisschen auszuruhen, da ich nicht noch 5 km mit der Demo mitgehen wollte,  
die von Zaun wegfuehrte. Eine andere Person aus San Francisco, die dort  
Videoaufnahmen machte, hatte in der Naehe einen Army-Store entdeckt, wo es  
Gasmasken zu kaufen gab. Spaeter hoerten wir, dass der Laden der  
freundlichen Leute nachts gepluendert wurde. Wir hatten also nun Gasmasken  
und gingen zurueck ins CMAQ. Es kam die Meldung, dass auf die Leute, die  
den Zaun angriffen, mit Gummigeschossen gefeuert wurde. Schnell probierten  
wir, wie die Gasmasken anzulegen waren. Mir kamen Erinnerungen an meine  
Zeit im U-Boot, wo wir routinemaessig Notatemgeraete anlegen mussten. Ein  
anderer Typ meinte auch, das letzte Mal sei bei ihm schon laenger her. Als  
die Gasmaske richtig sass, ging ich wieder mit der Kamera raus.

Am Zaun war die Szenerie absolut surreal. Eine grosse Anzahl von Queber  
AktivistInnen schlugen rhythmisch auf Stangen und riefen dazu "So, so, so,  
Solidarite". Ein Quebecer Punker tanzte vor dem Zaun, als in der Naehe  
Traenengaskanister hochgingen. Er tanzte immer noch und hob dazu beide  
Haende mit dem Peace-Zeichen, als ihm mit Absicht ein Gummigeschoss ins  
Bein geschossen wurde. Mehrere Salven von Gummigeschossen wurden auf  
gewaltlose DemonstrantInnen abgefeuert, deren einziges Vergehen es war,  
dass sie wagten, vor dem Zaun zu stehen. Ein paar Meter links von mir war  
eine Gruppe steinewerfender AktivistInnen. Die RCMP mit den Gummigeschoss- 
gewehren blieben hinter dem eingezaeunten Bereich. Eine Gruppe von  
Quebecer Bullen schuetzte die Strasse ausserhalb des Zauns. Sogar die  
Quebecer Polizei war zweitklassig gegenuever der anglo-dominierten RCMP.  
Die jungen AktivistInnen warfen Steine auf diese ungeschuetzten Beamten.  
Steine prallten an den Plexiglasschilden einfach ab, und selbst wenn sie  
durchkamen, prallten sie an der kugelsicheren Kleidung der Polizisten ab.

Rechts von mir waren friedliche DemonstrantInnen, die im Schneidersitz ein  
paar Meter von der Polizei entfernt sassen. Eine junge Frau tanzte um  
einen Bullen herum, der mit dem Gewehr auf sie zielte. Ich hielt meine  
Kamera hoch, als filmte ich den Bullen, der darauf das Gewehr wieder  
senkte. Das ging ein paar Mal hin und her, der Bulle zielte, ich hob die  
Kamera, der Bulle senkte das Gewehr. Ploetzlich ueberzogen die  
AktivistInnen links von mir die ungeschuetzte Polizei mit einem Hagel von  
Steinen. Als ich das filmte, hoerte ich neben meinem linken Ohr das  
Zischen eines Gummigeschosses. Als ich die Kamera zu dem RCMP-Schuetzen  
(Helm-Nr. E17) schwenkte, ging eine weitere Salve los, bei der ich am Kopf  
getroffen wurde (als ich spaeter das Band analysierte, stellte ich fest,  
dass in einer Sekunde drei Salven auf meinen Kopf abgeschossen wurden).  
Der Aufschlag warf mich um, und ich hatte Glueck, dass ich jahrelang  
Gewichtheben trainiert habe, weil ich deswegen nicht schwerere  
Verletzungen an Kopf und Nacken erlitt. Ich wurde vom Aufschlag  
herumgedreht und nach hinten geschleudert. Der Aufschlag fuehlte sich an,  
als ob ein Profi-Baseballspieler mir dem Ball direkt vor die Stirn  
geknallt haette. Die Kamera rollte weg und ein Sani kam an (die Strassen- 
Sanis waren grosse Klasse) und ich hielt mir die Stirn und das Blut rann  
ueber meine Hand und ueber die Gasmaske. Ich wurde an einen anderen Ort  
gebracht, wo mir die Sanis erste Hilfe leisteten und mich dann ins  
Krankenhaus schickten.

Im Krankenhaus waren zwei verletzte Beamte mit ihren Kollegen in voller  
Ruestung. Es gab eine Dekontaminationsstelle, wo die verletzten  
DemonstrantInnen sich das Traenengas abwaschen konnten. Ich legte meine  
Bekleidung ab, kriegte ein Fluegelhemd und wurde in einen Warteraum  
gefuehrt, wo ein Fernseher mit einem Bericht ueber die Demo lief; die  
Strassenproteste sowie eine voellig leerte Strasse wurde gezeigt, wo die  
34 Fuehrer des "demokratischen" Amerika fuer eine kuenstliche arrangierte  
Fotografie posierten. Ein Genosse, der am selben Ort wie ich verletzt  
worden war, war mit mir im Krankenhaus; ein liebenswerte Ire, den wir mal  
"P" nennen wollen. P war von einer Gummigeschosssalve am Arm getroffen  
worden. Wir warteten und sahen uns dabei diese Kakophonie der  
buergerlichen Medien an. Wir waren uns einig, dass es war, wie einen  
surrealen Traum zu haben. Spaeter kam der Doktor und untersuchte, ob ich  
eine Gehirnerschuetterung erlitten hatte. Er meinte, ich haette Glueck,  
dass mich das Geschoss nicht seitlich am Kopf getroffen haette, erklaerte  
das aber nicht naeher. Er naehte die Wunde und entliess mich. Draussen  
traf ich wieder P und wir nahmen zusammen ein Taxi und fuhren zurueck in  
die Kampfzone.

Das Taxi konnte nicht zum CMAQ, weil dort ein Strassenkampf ausgebrochen  
war, weil eine weitere Person von einem Gummigeschoss getroffen worden  
war. Die Person hatte stark geblutet und wurde unverzueglich von einem  
Krankenwagen ins Hospital gebracht. Es verbreiteten sich Geruechte, dass  
die Person an der Verletzung gestorben sei, aber tatsaechlich lebt er und  
ist aber in kritischem Zustand. Der Taxifahrer verabschiedete uns mit  
"Solidarite", da die ganze Stadt hinter den DemonstrantInnen stehe. Wir  
waren sofort wieder in den Traenengaswolken, als wir den Huegel runter zum  
CMAQ rannten. P und ich trennten uns, wuenschten uns gegenseitig viel  
Glueck und "Moegen deine Steine Fluegel haben".

Als ich schliesslich am CMAQ ankam, war das kein ruhiges Kulturzentrum  
mehr, das mehrere Blocks vom Zaun entfernt lag, wie zu dem Zeitpunkt, als  
ich dort losgegangen war, sondern war in vorderster Front der  
Strassenkaempfe. Die Eingangshalle war nun Behandlungszentrum, da die  
Sanistation von der Polizei mit gezogenen Waffen ueberrannt worden war. An  
der einen Seite des CMAQ hatte der Schwarze Block eine Strassenbarrikade  
errichtet, Molotows wurden auf die vorrueckende Polizeikette geworfen.  
Schliesslich rannten ca 200 Robocops auf die AktivistInnen zu. Dies  
passierte mehrmals bis in die spaete Nacht. Ich filmte aus der verglasten  
Halle des CMAQ. Zwischendurch gab es Befuerchtungen, dass die Polizei auch  
das CMAQ ueberrennen wuerde und alle Independistas beschlossen, dass sie  
keine Informationen geben wollten, wenn dies geschaehe und solidarisch mit  
den anderen bei den Kaempfen eingefahrenen Leuten zu sein.  
Gluecklicherweise wurde das CMAQ nicht ueberrannt und die rauchenden Reste  
der Barrikaden wurden zu Asche. Ich bekam noch ein paar Stunden Schlaf,  
bevor wir morgens ins befreite California zurueckfuhren.

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Uebersetzung: FdA Hamburg


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