A - I n f o s

a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **
News in all languages
Last 40 posts (Homepage) Last two weeks' posts Our archives of old posts

The last 100 posts, according to language
Greek_ 中文 Chinese_ Castellano_ Catalan_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ _The.Supplement

The First Few Lines of The Last 10 posts in:
Castellano_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_
First few lines of all posts of last 24 hours | of past 30 days | of 2002 | of 2003 | of 2004 | of 2005 | of 2006 | of 2007 | of 2008 | of 2009 | of 2010 | of 2011 | of 2012 | of 2013 | of 2014 | of 2015 | of 2016 | of 2017 | of 2018 | of 2019 | of 2020 | of 2021 | of 2022 | of 2023 | of 2024 | of 2025 | of 2026

Syndication Of A-Infos - including RDF - How to Syndicate A-Infos
Subscribe to the a-infos newsgroups

(de) Italy, UCADI, #207 - Italien wieder aufbauen: Vom Bauüberschuss zur intelligenten Wohnungspolitik (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Sun, 31 May 2026 07:25:06 +0300


Ein entscheidender, aber oft übersehener Aspekt nationaler Programme ist das Wohnen, das sogenannte italienische "Wohnungsparadoxon" zu viele Wohnungen und zu viele obdachlose Familien , das kein unlösbarer Widerspruch, sondern vielmehr ein Symptom eines systemischen Versagens bei der Ressourcenverteilung ist. Die Zahlen sprechen für sich: Zum 31. Dezember 2024 überstieg der Wohnungsbestand 35,6 Millionen Einheiten (Katasterstatistik), während die Bevölkerung laut ISTAT unter 59 Millionen sank. Selbst ohne Zweitwohnungen, ungenutzte Immobilien und leerstehende Wohnungen bleibt das Verhältnis aussagekräftig: eine Wohnung pro 2,29 Einwohner.
Wir stehen nicht vor einem knappen oder gar einem Notstand an Wohnraum. Eine durchschnittliche Wohnung hat mehr als 5,5 Zimmer und 118 Quadratmeter. Das Problem ist daher nicht ein Mangel an Wohnraum, sondern die chronische Unfähigkeit, die vorhandenen Ressourcen zu aktivieren, umzuverteilen und zugänglich zu machen.

Dieser Überschuss ist oft in einem überholten Wohnmodell gefangen: Wohnraum, der für stabile, große Familien konzipiert wurde, während die Gesellschaft heute aus Singles, einsamen Senioren und digitalen Nomaden besteht. Angesichts einer zunehmend flexiblen Nachfrage bleibt das Angebot starr.

Die Kluft vergrößert sich auf regionaler Ebene. Im Norden konzentrieren sich Nachfrage und Rentabilität, im Süden häuft sich ungenutzter Wohnraum an, das Zentrum polarisiert sich um das hypertrophierte Rom, während auf den Inseln ein wachsender Anteil leerstehender Immobilien verzeichnet wird. Rund 70 % der Bevölkerung leben in städtischen Gebieten, mit Spitzenwerten nicht nachhaltiger Dichte in den großen Zentren Rom, Mailand, Neapel, Turin , wo der Wohnungsbestand zwar vorhanden, aber starr, finanzialisiert und zunehmend unzugänglich ist.
Die Wurzel dieser Verzerrungen ist ein überholtes Paradigma: jenes, das die Zersiedelung als Fortschrittsmaßstab betrachtete. Mehr zu bauen war lange Zeit gleichbedeutend mit Entwicklung. Heute, in einem Land, das Bevölkerung verliert und immer mehr leerstehende Wohnungen anhäuft, bewirkt dieses Modell das Gegenteil.

Der Flächenverbrauch wächst weiter um etwa 2,7 m² pro Sekunde (ISPRA) trotz des offensichtlichen Bauüberschusses. Das Haupthindernis ist jedoch nicht technischer, sondern institutioneller Natur.
Es hat sich ein territorialer Wettbewerb entwickelt, der Kommunen, oft mit knappen Budgets, dazu zwingt, Land als Finanzierungsinstrument einzusetzen. Erschließungsbeiträge werden so zu einem Mittel zur Deckung laufender Ausgaben, wodurch die Planung zu einer Reaktion auf die finanzielle Notlage wird. Die Folge ist eine Vielzahl fragmentierter Siedlungen, in denen die Logik der Geldbeschaffung über territorialen Zusammenhalt triumphiert.

Dieser Mechanismus verdeutlicht die strukturellen Grenzen städtebaulicher Instrumente auf kommunaler Ebene, die nicht mehr ausreichen, um Phänomene zu steuern, die sich über einen größeren Rahmen erstrecken: Mobilität, Logistik und Immobilienmärkte. Die Eindämmung des Flächenverbrauchs kann daher nicht allein auf Beschränkungen beruhen, sondern erfordert einen grundlegenden Wandel: eine überregionale Planung, die Entscheidungen koordiniert, Funktionen neu ausrichtet und die Nutzung vorhandener Ressourcen steuert.

Selbst die Strategien sogenannter "Vorzeigestädte" wie Mailand, Florenz oder Bologna haben dieses Modell oft nur neu interpretiert, ohne es zu überwinden. Stadtmarketing hat Vielfalt zu einem Wettbewerbsvorteil gemacht, allerdings auf Kosten einer zunehmenden Homogenisierung von Räumen und Gentrifizierungsprozessen, die Bewohner und ansässige Unternehmen verdrängen.
Hinzu kommt der Druck der Tourismusentwicklung: In Städten wie Venedig oder Florenz sind große Teile der historischen Stadtkerne mittlerweile unbewohnt. Der Wohnungsbestand verliert somit seine Funktion als soziale Infrastruktur und wird zum Finanzinstrument, wodurch die Stadtzentren ihrer Funktionen und ihres Gemeinschaftslebens beraubt werden.
Gleichzeitig wird Wohnraum immer unzugänglicher und teurer. Nicht nur für junge Menschen, für die der Traum vom Eigenheim in weite Ferne gerückt ist, sondern auch für diejenigen, die bereits Wohneigentum besitzen. Laut dem CENSIS-Federproprietà-Bericht stellen die Wohnkosten für einen wachsenden Anteil von Familien einen Faktor wirtschaftlicher Unsicherheit dar: Für viele ist ihr Zuhause von einer Absicherung zu einem Risiko geworden.
Das Bild wird vervollständigt durch ein Italien, das sich trotz seines Wachstums immer weiter entvölkert. Große Ballungszentren sind überbevölkert, während das Landesinnere entvölkert wird und ganze Dörfer verlassen werden. Dieser Prozess hat nicht nur soziale, sondern auch territoriale Auswirkungen: Laut ISPRA sind 93,9 % der italienischen Gemeinden hydrogeologischen Risiken ausgesetzt. In diesem fragilen Kontext verschärft der fortgesetzte Flächenverbrauch und die Vernachlässigung bestehender Flächen die allgemeine Verwundbarkeit des Landes.

Dieses Szenario verdeutlicht eine deutliche Diskrepanz zwischen Bedarf und verfügbaren Ressourcen. Einerseits wird es für die sogenannten "neuen Italiener" zunehmend schwieriger, Wohnraum zu finden, insbesondere in großen Ballungszentren; andererseits bleibt in ländlichen Gebieten und kleinen Gemeinden ein großer Wohnungsbestand ungenutzt. Diese mangelnde Vernetzung stellt ein Problem dar.

Eine der offensichtlichsten Ineffizienzen des Systems: Leerstand und ungedeckter Bedarf bestehen weiterhin nebeneinander, ohne sich zu begegnen.
Experimentelle Projekte zur sozialen und wohnungspolitischen Stadterneuerung, wie das in Riace (Kalabrien) gestartete, zeigen, dass ein anderer Ansatz möglich ist: Die Umnutzung leerstehender Häuser kann ein Hebel für Inklusion und territoriale Erneuerung sein. Die Integration von Wohnungs- und Migrationspolitik ist daher keine Notlösung, sondern eine strukturelle Entscheidung: Die Verbindung von Leerstand und vorhandenen Ressourcen bedeutet die Reaktivierung von Gebieten und den Wiederaufbau von Gemeinschaften.
Die Überwindung des italienischen Wohnungsparadoxons erfordert einen Paradigmenwechsel, der nicht nur die Stadtplanung, sondern das gesamte Modell der territorialen Steuerung betrifft.
Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, neue Wohnungen zu bauen, sondern den bestehenden Wohnungsbestand sichtbar, zugänglich und nutzbar zu machen.
Dies erfordert einen Wandel von einem expansiven zu einem regenerativen Ansatz, bei dem der Gebäudebestand zu einer dynamisch zu managenden sozialen Infrastruktur wird.
In diesem Kontext ist die institutionelle Dimension entscheidend: Die kommunale Zersplitterung reicht nicht mehr aus, um Phänomene zu steuern, die in großem Maßstab wirken. Es bedarf einer übergeordneten Steuerung, die Wohnungsbau, Infrastruktur und Finanzpolitik koordiniert, den Wettbewerb zwischen den Gebieten überwindet und Transformationen im Sinne des Gemeinwohls lenkt.
Parallel zur Verwaltungsreform gewinnt Wissen als neuer Hebel an Bedeutung. Digitale Technologien und künstliche Intelligenz ermöglichen, was bisher nur intuitiv möglich war: die Echtzeit-Erfassung ungenutzter Wohnungen, die Abstimmung von Angebot und Nachfrage, die Prognose zukünftiger Bedarfe und die gezielte Steuerung städtebaulicher Sanierungsmaßnahmen.
Wohnen wird somit nicht nur zu einem zu regulierenden Gut, sondern zu einem Informationssystem, das es zu verstehen und zu steuern gilt.
Aus dieser Perspektive muss eine nationale Wohnungspolitik drei grundlegende Dimensionen integrieren: die Sanierung des bestehenden Bestands, die Zusammenarbeit zwischen den institutionellen Ebenen und die intelligente Nutzung von Daten und Technologien zur Unterstützung öffentlicher Entscheidungen.
Letztendlich bedeutet die Sanierung Italiens den Aufbau eines Systems, in dem der Gebäudebestand keine statische Ressource mehr darstellt, sondern ein aktives Netzwerk im Dienste der Bevölkerung ist.

Sabrina Barresi

https://www.ucadi.org/2026/04/19/ricucire-litalia-dal-surplus-edilizio-alla-politica-dellabitare-intelligente/
_________________________________________
A - I n f o s Informationsdienst
Von, Fr, und Ber Anarchisten
Send news reports to A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
Subscribe/Unsubscribe https://ainfos.ca/mailman/listinfo/a-infos-de
Archive: http://www.ainfos.ca/de
A-Infos Information Center