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(de) Italy, UCADI, #207 - Italien wieder aufbauen: Vom Bauüberschuss zur intelligenten Wohnungspolitik (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Sun, 31 May 2026 07:25:06 +0300
Ein entscheidender, aber oft übersehener Aspekt nationaler Programme ist
das Wohnen, das sogenannte italienische "Wohnungsparadoxon" zu viele
Wohnungen und zu viele obdachlose Familien , das kein unlösbarer
Widerspruch, sondern vielmehr ein Symptom eines systemischen Versagens
bei der Ressourcenverteilung ist. Die Zahlen sprechen für sich: Zum
31. Dezember 2024 überstieg der Wohnungsbestand 35,6 Millionen Einheiten
(Katasterstatistik), während die Bevölkerung laut ISTAT unter 59
Millionen sank. Selbst ohne Zweitwohnungen, ungenutzte Immobilien und
leerstehende Wohnungen bleibt das Verhältnis aussagekräftig: eine
Wohnung pro 2,29 Einwohner.
Wir stehen nicht vor einem knappen oder gar einem Notstand an Wohnraum.
Eine durchschnittliche Wohnung hat mehr als 5,5 Zimmer und 118
Quadratmeter. Das Problem ist daher nicht ein Mangel an Wohnraum,
sondern die chronische Unfähigkeit, die vorhandenen Ressourcen zu
aktivieren, umzuverteilen und zugänglich zu machen.
Dieser Überschuss ist oft in einem überholten Wohnmodell gefangen:
Wohnraum, der für stabile, große Familien konzipiert wurde, während die
Gesellschaft heute aus Singles, einsamen Senioren und digitalen Nomaden
besteht. Angesichts einer zunehmend flexiblen Nachfrage bleibt das
Angebot starr.
Die Kluft vergrößert sich auf regionaler Ebene. Im Norden konzentrieren
sich Nachfrage und Rentabilität, im Süden häuft sich ungenutzter
Wohnraum an, das Zentrum polarisiert sich um das hypertrophierte Rom,
während auf den Inseln ein wachsender Anteil leerstehender Immobilien
verzeichnet wird. Rund 70 % der Bevölkerung leben in städtischen
Gebieten, mit Spitzenwerten nicht nachhaltiger Dichte in den großen
Zentren Rom, Mailand, Neapel, Turin , wo der Wohnungsbestand zwar
vorhanden, aber starr, finanzialisiert und zunehmend unzugänglich ist.
Die Wurzel dieser Verzerrungen ist ein überholtes Paradigma: jenes, das
die Zersiedelung als Fortschrittsmaßstab betrachtete. Mehr zu bauen war
lange Zeit gleichbedeutend mit Entwicklung. Heute, in einem Land, das
Bevölkerung verliert und immer mehr leerstehende Wohnungen anhäuft,
bewirkt dieses Modell das Gegenteil.
Der Flächenverbrauch wächst weiter um etwa 2,7 m² pro Sekunde (ISPRA)
trotz des offensichtlichen Bauüberschusses. Das Haupthindernis ist
jedoch nicht technischer, sondern institutioneller Natur.
Es hat sich ein territorialer Wettbewerb entwickelt, der Kommunen, oft
mit knappen Budgets, dazu zwingt, Land als Finanzierungsinstrument
einzusetzen. Erschließungsbeiträge werden so zu einem Mittel zur Deckung
laufender Ausgaben, wodurch die Planung zu einer Reaktion auf die
finanzielle Notlage wird. Die Folge ist eine Vielzahl fragmentierter
Siedlungen, in denen die Logik der Geldbeschaffung über territorialen
Zusammenhalt triumphiert.
Dieser Mechanismus verdeutlicht die strukturellen Grenzen
städtebaulicher Instrumente auf kommunaler Ebene, die nicht mehr
ausreichen, um Phänomene zu steuern, die sich über einen größeren Rahmen
erstrecken: Mobilität, Logistik und Immobilienmärkte. Die Eindämmung des
Flächenverbrauchs kann daher nicht allein auf Beschränkungen beruhen,
sondern erfordert einen grundlegenden Wandel: eine überregionale
Planung, die Entscheidungen koordiniert, Funktionen neu ausrichtet und
die Nutzung vorhandener Ressourcen steuert.
Selbst die Strategien sogenannter "Vorzeigestädte" wie Mailand, Florenz
oder Bologna haben dieses Modell oft nur neu interpretiert, ohne es zu
überwinden. Stadtmarketing hat Vielfalt zu einem Wettbewerbsvorteil
gemacht, allerdings auf Kosten einer zunehmenden Homogenisierung von
Räumen und Gentrifizierungsprozessen, die Bewohner und ansässige
Unternehmen verdrängen.
Hinzu kommt der Druck der Tourismusentwicklung: In Städten wie Venedig
oder Florenz sind große Teile der historischen Stadtkerne mittlerweile
unbewohnt. Der Wohnungsbestand verliert somit seine Funktion als soziale
Infrastruktur und wird zum Finanzinstrument, wodurch die Stadtzentren
ihrer Funktionen und ihres Gemeinschaftslebens beraubt werden.
Gleichzeitig wird Wohnraum immer unzugänglicher und teurer. Nicht nur
für junge Menschen, für die der Traum vom Eigenheim in weite Ferne
gerückt ist, sondern auch für diejenigen, die bereits Wohneigentum
besitzen. Laut dem CENSIS-Federproprietà-Bericht stellen die Wohnkosten
für einen wachsenden Anteil von Familien einen Faktor wirtschaftlicher
Unsicherheit dar: Für viele ist ihr Zuhause von einer Absicherung zu
einem Risiko geworden.
Das Bild wird vervollständigt durch ein Italien, das sich trotz seines
Wachstums immer weiter entvölkert. Große Ballungszentren sind
überbevölkert, während das Landesinnere entvölkert wird und ganze Dörfer
verlassen werden. Dieser Prozess hat nicht nur soziale, sondern auch
territoriale Auswirkungen: Laut ISPRA sind 93,9 % der italienischen
Gemeinden hydrogeologischen Risiken ausgesetzt. In diesem fragilen
Kontext verschärft der fortgesetzte Flächenverbrauch und die
Vernachlässigung bestehender Flächen die allgemeine Verwundbarkeit des
Landes.
Dieses Szenario verdeutlicht eine deutliche Diskrepanz zwischen Bedarf
und verfügbaren Ressourcen. Einerseits wird es für die sogenannten
"neuen Italiener" zunehmend schwieriger, Wohnraum zu finden,
insbesondere in großen Ballungszentren; andererseits bleibt in
ländlichen Gebieten und kleinen Gemeinden ein großer Wohnungsbestand
ungenutzt. Diese mangelnde Vernetzung stellt ein Problem dar.
Eine der offensichtlichsten Ineffizienzen des Systems: Leerstand und
ungedeckter Bedarf bestehen weiterhin nebeneinander, ohne sich zu begegnen.
Experimentelle Projekte zur sozialen und wohnungspolitischen
Stadterneuerung, wie das in Riace (Kalabrien) gestartete, zeigen, dass
ein anderer Ansatz möglich ist: Die Umnutzung leerstehender Häuser kann
ein Hebel für Inklusion und territoriale Erneuerung sein. Die
Integration von Wohnungs- und Migrationspolitik ist daher keine
Notlösung, sondern eine strukturelle Entscheidung: Die Verbindung von
Leerstand und vorhandenen Ressourcen bedeutet die Reaktivierung von
Gebieten und den Wiederaufbau von Gemeinschaften.
Die Überwindung des italienischen Wohnungsparadoxons erfordert einen
Paradigmenwechsel, der nicht nur die Stadtplanung, sondern das gesamte
Modell der territorialen Steuerung betrifft.
Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, neue Wohnungen zu bauen,
sondern den bestehenden Wohnungsbestand sichtbar, zugänglich und nutzbar
zu machen.
Dies erfordert einen Wandel von einem expansiven zu einem regenerativen
Ansatz, bei dem der Gebäudebestand zu einer dynamisch zu managenden
sozialen Infrastruktur wird.
In diesem Kontext ist die institutionelle Dimension entscheidend: Die
kommunale Zersplitterung reicht nicht mehr aus, um Phänomene zu steuern,
die in großem Maßstab wirken. Es bedarf einer übergeordneten Steuerung,
die Wohnungsbau, Infrastruktur und Finanzpolitik koordiniert, den
Wettbewerb zwischen den Gebieten überwindet und Transformationen im
Sinne des Gemeinwohls lenkt.
Parallel zur Verwaltungsreform gewinnt Wissen als neuer Hebel an
Bedeutung. Digitale Technologien und künstliche Intelligenz ermöglichen,
was bisher nur intuitiv möglich war: die Echtzeit-Erfassung ungenutzter
Wohnungen, die Abstimmung von Angebot und Nachfrage, die Prognose
zukünftiger Bedarfe und die gezielte Steuerung städtebaulicher
Sanierungsmaßnahmen.
Wohnen wird somit nicht nur zu einem zu regulierenden Gut, sondern zu
einem Informationssystem, das es zu verstehen und zu steuern gilt.
Aus dieser Perspektive muss eine nationale Wohnungspolitik drei
grundlegende Dimensionen integrieren: die Sanierung des bestehenden
Bestands, die Zusammenarbeit zwischen den institutionellen Ebenen und
die intelligente Nutzung von Daten und Technologien zur Unterstützung
öffentlicher Entscheidungen.
Letztendlich bedeutet die Sanierung Italiens den Aufbau eines Systems,
in dem der Gebäudebestand keine statische Ressource mehr darstellt,
sondern ein aktives Netzwerk im Dienste der Bevölkerung ist.
Sabrina Barresi
https://www.ucadi.org/2026/04/19/ricucire-litalia-dal-surplus-edilizio-alla-politica-dellabitare-intelligente/
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