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(de) Germany, LIKOS: Unser Redebeirag beim GSD am 20.09.2025 (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Sun, 19 Oct 2025 08:03:55 +0300
Wir wollen heute über Ökosozialismus reden. Für die Rechten ist dieser
zu einem Kampbegriff geworden, für sie steht der Begriff für
Bevormundung, Einschränkung, Verzicht, und sie haben dieses Narrativ
erfolgreich in den gesellschaftlichen Debatten etabliert. Kein Wunder,
wenn die Regierung unter dem Deckmantel des Klimaschutzes den Menschen
an den ohnehin schon schmalen Geldbeutel geht. Selbst die Grünen werden
des Ökosozialismus bezichtigt, wobei deren Politik nun wirklich nichts
sozialistisches hat. Was hat es also mit Ökosozialismus auf sich? Droht
uns eine Art Öko-DDR?
Zunächst einmal stellen wir fest: Der Kapitalismus kann es einfach
nicht! Und das kommt nicht vom "nicht wollen" oder "nicht hinbekommen",
sondern liegt im System begründet. Es ist schließlich der Kapitalismus
und seine Produktionsweise, die vor allem auf fossiler Energie beruht,
die den Klimawandel erst verursacht hat. Deshalb liegt es auf der Hand
das dieses System nicht dazu geeignet sein kann, die Zerstörungen
effektiv einzudämmen, geschweige denn die Klimakatastrophe aufzuhalten.
Im Kapitalismus muss Klimaschutz immer "bezahlbar" und "wirtschaftlich"
sein, darf also die Profite nicht gefährden. Das steht als Prämisse vor
allem anderen und wird auch in der öffentlichen Debatte nie in Frage
gestellt.
Solange aber Produktion und Produktionsmittel sich als Privateigentum
der gesellschaftlichen Kontrolle entziehen, wird sich nichts ändern. Die
Unternehmen, die unter dem Zwang zur Maximierung des Profits stehen,
scheren sich nicht um die ökologischen Folgekosten ihres Tuns, solange
die Gesellschaft, der diese Kosten aufgebürdet werden, sie nicht dazu
zwingt.
In diesem System aber ist die Politik abhängig von Steuereinnahmen und
somit interessiert an einem reibungslosen funktionieren des
Kapitalismus. Weder ein "Green New Deal" noch eine sogenannte
"Postwachstumsgesellschaft" werden aus dieser Sackgasse herausführen,
weil beide nichts an der Produktionsweise ändern. Die Klimakrise kann
innerhalb des Kapitalismus nicht gelöst werden und einen Kapitalismus
ohne Wachstumszwang kann es genausowenig geben, wie es "ein bisschen
schwanger" geben kann.
Die Klimakrise erfordert die Abkehr von den "blinden Kräften des
Marktes" hin zu einer planvollen Wirtschaft, die sich gezielt weltweit
abstimmt und sich dabei an den Bedürfnissen von Mensch und Natur
orientiert, ohne Profit generieren zu müssen - einen ökologischen
Sozialismus. Einer, der die Menschen nicht gängelt, sondern überzeugt,
und von allen gemeinsam zum Wohle aller verwirklicht wird.
Statt im falschen Gegensatz von Konsum und Verzicht zu verbleiben und
Reichtum nur als rein quantitative Frage zu verhandeln, wollen wir für
eine neue Form des Reichtums eintreten.
Im Kapitalismus erscheint der gesellschaftliche Reichtum als eine
"ungeheure Warensammlung" (ein Marx-Zitat muss sein), von der große
Teile der Weltbevölkerung permanent ausgeschlossen sind. Die
flächendeckende Befriedigung von materiellen Grundbedürfnissen müsste in
einer neuen Gesellschaft an erster Stelle stehen.
Die materiellen Lebensbedingungen würden sich in einem ökologischen
Sozialismus erheblich bessern, wenn die Grundpfeiler der Daseinsvorsorge
- Gesundheitssystem, Wohnen, Bildung und Erziehung sowie Ernährung -
also alle Güter des täglichen Bedarfs, unter demokratischer Kontrolle
der kapitalistischen Verwertungslogik entzogen werden.
Ein absenken des Stoff- und Energieverbrauchs in den Industrieländeern
auf ein Niveau, das global verallgemeinert werden könnte, müsste nicht
zu weniger Lebensqualität führen. Ein bedarfsgerechter vernünftig
eingerichteter öffentlicher Verkehr - anstatt stinkender Blechlawinen -
würde z.B. mehr Platz, Lebenszeit, Ruhe, Sicherheit und Umweltqualität
in den Städten bedeuten. Städte wie Paris und Barcelona machen es jetzt
schon vor.
Die radikale Ausweitung eines solchen geteilten "öffentlichen Luxus" und
die bewusste Planung des gesellschaftlichen Stoffwechsels mit der Natur
würde auch Spielräume für qualitativ neue Formen gesellschaftlichen
Reichtums eröffnen.
Dazu gehört vor allem mehr frei verfügbare Zeit und damit die
Möglichkeit, sich um sich selbst und andere zu kümmern. Zeit, um auch
über die Belange der Gesellschaft mitzuentscheiden, sich zu bilden und
kreativ zu betätigen.
Klingt ganz gut, so ein Ökosozialismus, oder? Dafür müssen wir nur mal
eben den Kapitalismus abschaffen und die Gesellschaft umkrempeln. Und
das schnell. Natürlich erscheint eine solche Aufgabe erst einmal
unrealistisch, wenn nicht sogar unlösbar, und ohne einen - wie auch
immer gearteten - Übergang wird es sicherlich nicht gehen.
Andre Gorz, ein Pionier der Ökologiebewegung, hat den bitteren Schluss
gezogen: "Wenn es uns nicht gelingt, gemeinsam (und gemeinsam meint in
diesem Falle: weltweit) endlich durch Aushandlungen einen Einstieg in
den Ausstieg zu finden, wird die Natur uns diesen aufnötigen."
Wir werden so oder so mit den Folgen der Klimakatastrophe umgehen
müssen. Lasst uns als Klimabewegung versuchen, unsere Utopien konkret
werden zu lassen anstatt zu moralisieren oder in Fatalismus zu
verfallen. Autoritäre Krisenbewältigungsstrategien, bis hin zum
Ökofaschismus, gibt es genug. Nur wenn wir es schaffen, den Menschen zu
vermitteln, dass wirklicher Klimaschutz sie nicht bevormundet und
ausnimmt, sondern eine Perspektive zu neuem gesellschaftlichem Reichtum
und mehr Lebensqualität bieten kann, werden wir dem etwas entgegensetzen
können.
Wir brauchen keinen Profit für einige, sondern Lebensqualität für ALLE
Für einen ökologischen Sozialismus!
https://likos.noblogs.org/2025/09/20/unser-redebeirag-beim-gsd-am-20-09-2025/
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