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(de) France, UCL AL #363 - Gewerkschaftsbewegung - Deutsches Modell: Die extreme Rechte infiltriert die Arbeitswelt (ca, en, it, fr, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Sun, 28 Sep 2025 07:50:44 +0300


Während in Frankreich die extreme Rechte Gewerkschaften weiterhin als Gegner betrachtet, hat sie in Deutschland deren Infiltration zu einer ihrer strategischen Prioritäten gemacht. Dieser Artikel ist eine gekürzte und bearbeitete Fassung des Artikels "Im Maschinenraum der Reaktion - Die AfD, die Arbeit und der Betrieb", erschienen am 27. Mai 2025 auf Gewerkschaftsforum.de, einem Online-Journal für gewerkschaftliche, gesellschaftliche und politische Analysen. Oft beginnt es harmlos. Eine Diskussion in der Teeküche, ein Slogan am schwarzen Brett, ein Kollege, der denkt: "Darf man das doch noch sagen?" Doch was harmlos erscheint, entpuppt sich schnell als Teil einer durchdachten Strategie. Die sogenannte Neue Rechte versucht, ihren Einfluss auf Unternehmen und Betriebsräte geltend zu machen - nicht mit lauten Parolen, sondern diskret und beharrlich, indem sie präsent und allgegenwärtig ist. Ihr Ziel: ideologische Hegemonie im Arbeitsalltag.

Bereits 1998 formulierte die faschistische NPD in ihrem "Stavenhagener Strategiepapier" ein "Drei-Säulen-Modell". Diese lauten: Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts, Organisation von Kundgebungen und Demonstrationen sowie ausreichende Zugkraft für Wahlen[1]. 2004 kam eine vierte Säule hinzu: der Kampf innerhalb des "organisierten[politischen]Willens"[2]- insbesondere in Unternehmen und Gewerkschaften. Die Aktivisten der Neuen Rechten verfolgen diese Strategie mit Beharrlichkeit. Das Unternehmen soll zur Grundeinheit autoritärer Normalisierung werden: Politik soll in diesem vermeintlich "unpolitischen" Raum betrieben werden.

Die Alternative für Deutschland (AfD) wird noch immer oft als "Protestpartei der Abgehängten" bezeichnet. Doch sie ist längst in der Mitte der Gesellschaft, des politischen Systems und der Arbeitswelt verankert. Bei der Bundestagswahl 2025 wählten 38 % der Arbeiter die AfD; bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland waren es sogar über 40 %. Besonders stark ist die Partei bei den 25- bis 44-Jährigen - der klassischen Zielgruppe für Gewerkschaftsbildung.

Nach der Wahl im Februar 2025 hält die AfD nun fast ein Viertel der Sitze im Bundestag.
Steffen Prössdorf
Ein autoritärer Konsens
Die AfD braucht dafür keine starken Unternehmensstrukturen. Ihr Erfolg wird durch die Frustration vieler Arbeitnehmer über die Gewerkschaftsbürokratie, mangelnde Partizipation und politische Entfremdung befeuert.

Der rechte Konsens entsteht von innen: unter Arbeitnehmern, die sich gegen Gender-Gaga, Einwanderung oder politische Korrektheit stellen. Rechte Gruppen verknüpfen dies mit realen Problemen, wie etwa Tarifverträgen, die die Belegschaft in "Kern-" und "Hilfsfunktionen" aufteilen, oder eskalierenden Arbeitsbelastungen und längeren Arbeitszeiten. Sie fügen rassistische Narrative und Fantasien autoritärer Lösungen hinzu und sprechen von "geheimen Eliten", die "von oben kontrollieren".

Seit 2014 sind innerhalb der AfD mehrere sogenannte Arbeitnehmerorganisationen entstanden[3]. Diese Strukturen wurden von übergeordneten Organisationen wie Ein Prozent und rechten Medien wie Compact unterstützt. Auf einer Konferenz dieses neurechten Magazins nach den Wahlerfolgen der AfD im Jahr 2017 erklärte Compact-Herausgeber Jürgen Elsässer, es sei an der Zeit, "den Wind, der durch Deutschland weht, in die Betriebe zu bringen". Besonders aktiv ist die Pseudogewerkschaft Zentrum Automobil (ZA), die 2008 von einem ehemaligen Mitglied einer Neonazi-Gruppe, Oliver Hilburger, gegründet wurde. Seit 2022 ist Zentrum nicht nur in der Automobilindustrie, sondern auch im Gesundheitswesen, im öffentlichen Dienst und im Dienstleistungssektor aktiv.

Der rechte Flügel hat sich über verschiedene Kanäle Zugang zur betrieblichen Mitbestimmung verschafft: über eigene Listen bei Betriebsratswahlen, über Kandidaturen auf Listen rechtsradikaler Gewerkschaften wie der Christlichen Metallgewerkschaft (CGM) oder über sogenannte unabhängige Kandidaten. Sie vermeiden eine offene AfD-Zugehörigkeit, setzen auf individuelle Unterstützung statt auf kollektiven Kampf und präsentieren sich als pragmatische, zupackende Individuen. Ihre Agenda bleibt jedoch klar: antidemokratisch, gewerkschaftsfeindlich und nationalistisch.

Rechte Gruppen treten bei Betriebsratswahlen unter klangvollen Namen an, wie beispielsweise "Bündnis unabhängiger Betriebsräte" bei Volkswagen, "Team Klartext" bei Klartext und "CGM-Bündnis 2025"[4]. Im Jahr 2025 trat der ehemalige ZA-Vorstand Horst Schmitt auf dem CGM-Ticket dem Opel-Betriebsrat in Rüsselsheim bei. Das Ziel: demokratische Mitbestimmung durch eine autoritäre Vision zu ersetzen. Die Rechte präsentiert sich als "neue Stimme von der Basis", ohne jemals strukturell etwas zu verbessern. Denn das Ziel ist nicht soziale Gerechtigkeit, sondern ideologische Hegemonie. Das soziale Thema wird regressiv, völkisch und antiemanzipatorisch behandelt. Ziel ist es, die Existenz einer kollektiven Gegenmacht innerhalb des Unternehmens zu leugnen, sie lächerlich zu machen, zu schwächen und zu zerstören.

"Wir vergessen nicht! #corona", überklebt mit einem "Scheiß-Faschisten"-Slogan. Die AfD hat aus Verschwörungstheorien rund um Covid-19 großes Kapital geschlagen. ConceptPhoto.info
Die Ideologie der "Unternehmensgemeinschaft"
Rechte Akteure beleben damit eine lange ideologische Tradition wieder: die Idee der "Unternehmensgemeinschaft". Schon die Nazis versuchten, soziale Konflikte zugunsten ethnischer Einheit durch ihre Betriebszellen zu verschleiern. Heute wird das Narrativ des "ehrlichen Arbeiters" genutzt, der sich angeblich gegen vordringende Gewerkschaften, "linksgrüne Utopien" und Diversität wehrt. Tarifverträge gelten als überflüssig, Streiks als schädlich für den Arbeitsfrieden.

Diese Denkweise lässt sich von vielen Unternehmen übernehmen: Rechte Betriebsräte greifen nicht die Interessen des Kapitals an, sondern stellen sich gegen Mitbestimmung und Gewerkschaftsstrukturen. AfD-Betriebsräte präsentieren sich als Beschützer und nutzen die Unsicherheit im Unternehmen, um autoritäre Lösungen "ohne Alternative" durchzusetzen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erkannte diese Entwicklung frühzeitig, reagierte aber kaum darauf. Bereits im Jahr 2000 stellte eine DGB-Kommission fest, dass rassistische und autoritäre Einstellungen auch unter Gewerkschaftsmitgliedern weit verbreitet waren. Doch anstatt die richtigen Schlüsse zu ziehen, dominierte in den folgenden Jahren die Orientierung an Sozialpartnerschaft, Dienstleistungsgewerkschaft und politischer Neutralität. Für eine antifaschistische Gewerkschaftsbewegung
Branchenverhandlungen wurden technokratisiert, politische Bildung vernachlässigt. In der Praxis bedeutete dies: innerer Frieden statt Konfliktmanagement, Mitgliederservice statt Organisation und symbolische Aktionen statt echter Politik. Das Ergebnis ist ein Vakuum, das rechte Akteure füllen - nicht mit besseren Konzepten, sondern mit emotionalen Narrativen und Ressentiments. Dies gilt auch für den Waffenkeynesianismus, den viele Gewerkschaften unterstützen. In diesem Zusammenhang darf sich Oliver Hilburger zu Recht als Gewerkschafter präsentieren, "der zutiefst davon überzeugt ist, dass sich die Gewerkschaft grundsätzlich dem Frieden verpflichten muss", wie er auf einer Pressekonferenz zur Gründung des Zentrum Nordwest-Landesbüros am 24. April 2025 erklärte.

Um der rechten Offensive entgegenzutreten, bedarf es einer strategischen Neuausrichtung der Gewerkschaften: politische Schulung, klassenbasierte Tarifverhandlungen, eine klare Abgrenzung nach rechts und eine konsequente Antikriegspolitik. Vor allem aber ist ein neues Image erforderlich: nicht länger als neutrale Dienstleister, sondern (wieder) als aktive soziale Bewegung, die Unternehmen wieder zu Orten der Solidarität macht.

Die Unterwanderung durch die Rechte ist kein Zufall. Sie folgt einem Plan und wird sich fortsetzen, wenn sie nicht entschlossen bekämpft wird. Die Bundesbetriebsratswahlen im Frühjahr 2026 werden daher ein Praxistest sein, um die Fähigkeit der Gewerkschaften zu testen, zu mobilisieren, das Streikrecht zu verteidigen, Solidarität mit Kolleginnen und Kollegen mit und ohne deutschen Pass zu zeigen und Tarifverträge zu verteidigen.

Andreas Buderus (Deutschlandkorrespondent)

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[1]"Kämpft auf der Straße, in den Köpfen und im Parlament."

[2]"Kämpft für den organisierten Willen."

[3]Wie in "Arbeitnehmer in der AfD" oder "Alternativen Behördendiensten".

[4]Bundesbetriebsrat, Team Klartext und CGM-Bündnis 2025.

https://www.unioncommunistelibertaire.org/?Modele-allemand-L-extreme-droite-infiltre-le-monde-du-travail
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