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(de) Germany, Trier, Die Platform: Antifaschistischer (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Sat, 18 May 2024 08:48:28 +0300
KriSe - Vortrag Revolutionärer Antifaschismus ---- Im Rahmen der
Veranstaltungsreihe des Kritischen Semesterstarts in Trier haben wir am
Montag dem 26.04. unseren bekannten Vortrag über "Revolutionäre
Perspektiven auf Antifaschismus" gehalten. Gegen Viertel nach sechs ging
es los, eine gute Stunde später war der Vortrag vorbei. Die
anschließende Diskussion ging dann noch über eineinhalb Stunden und
brachte interessante Perspektiven auf die antifaschistische Bewegung,
gerade im Kontext der abflauenden Protestwelle gegen die AfD.
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Die Welle ist zuende - eine Reflexion von drei Monaten
antifaschistischer Protes
Nach drei Monaten breiter Proteste gegen die AfD und Rechtsruck ist es
notwendig die Entwicklungen zu betrachten und sich zu fragen: Was ist
passiert? Was haben wir erreicht? Wo kann es jetzt hingehen? Dafür
werden wir in diesem Text zuerst eine kleine Chronik der lokalen
Proteste dokumentieren, die Entwicklung beschreiben und analysieren,
unsere Beteiligung reflektieren und Perspektiven für die
Weiterentwicklung der lokalen antifaschistischen Bewegung formulieren.
Überblick
Am 10. Januar veröffentlichte correctiv ihre Recherche Geheimplan
Deutschland (1).
Am 15. Januar beteiligten sich bereits etwa 400 Menschen an einer
Kundgebung organisiert von den Parteien und links-liberalen
Organisationen vor der Porta Nigra.
Am 21. Januar nahmen spontan über 1000 Menschen an einer Kundgebung
gegen einen AfD-Bürgerdialog in Kasel teil.
Am 27. Januar fand eine von den Parteien organisierte Kundgebung mit
guter Beteiligung statt.
Am 28. Januar fand Triers bisher größte Kundgebung gegen rechte Politik
statt mit über 10 000 Menschen, diesmal unter dem Motto "Nie wieder ist
jetzt". Im Anschluss daran machte sich ein kleinerer Teil mit 300-400
Personen mit einer spontan Demonstration auf den Weg durch die Innenstadt.
Am 2. Februar beteiligten sich wieder über 1000 Menschen an einer
Kundgebung gegen die Aufstellung der Kandidatenliste der AfD am Domfreihof.
Am 25. Februar beteiligten sich etwa 4500 Personen an einer
Demonstration des Bündnisses "Nie wieder ist Jetzt!".
Am 8. März demonstrierten etwa 400 Menschen unter dem Motto Fantifa*
gegen Rechtsruck und für Feminismus.
Am 7. April nahmen nun um die 2 000 Personen an der Großdemonstration teil.
Die Entwicklung
Als die plattform Trier waren wir wie viele andere auch überrascht über
die große Beteiligung an den Protesten. Natürlich haben alle
bürgerlichen Parteien versucht diese für sich zu nutzen um sich selber
in einem antifaschistischen Licht zu positionieren, während sie selber
rechte Politik fortführen und durchsetzen. Davon haben wir uns aber
nicht aufhalten lassen und versucht von Anfang an kämpferische Analysen
und Positionen in die lokalen Proteste zu bringen und uns beteiligt wo
wir konnten.
Ähnlich wie die Antifaschistische Aktion Süd verstehen auch wir die
Proteste als Krisenproteste (2), unter liberalen Vorzeichen und ohne
klare soziale Stoßrichtung. In dem Kontext müssen wir die Proteste auch
als Ausdruck der Unzufriedenheit mit den aktuellen gesellschaftlichen
Entwicklungen von Verarmung, Krieg und Abbau von sozialen
Sicherungssystemen verstehen. Dabei entspricht das Milieu das auf die
Straße gegangen ist vor allem Menschen die u.a. ökonomisch negativ von
einer Politik der AfD betroffen wären, die Angst vor einem weiteren
Abstieg haben.
Wir müssen dahin feststellen, dass es eine Ambivalenz gibt. Denn
einerseits entspringen die Proteste einem vorhandenem Bewusstsein über
die Zustände und Faschisierung der Gesellschaft und des Staates,
gleichzeitig entspringen sie im Moment eher einem Reaktionären "Alles
soll bleiben wie es ist". Dies sehen wir unter anderem daran, dass die
Beteiligung unglaublich schnell zurückgegangen ist, auch wenn wir an
vergleichbare Protestbewegungen der letzten Jahre denken wie die eher
reaktionäre Querdenker-Bewegung oder FridaysForFuture.
Das Beharren auf einer Erhaltung des Ist-Zustandes, die Führung der
Proteste durch etablierte Kräfte und ihre Arbeitsmechanismen, in Trier
nach Außen maßgeblich durch das Bunte Trier, haben verhindert, dass sich
eine eigenständige Bewegung gegen den rechten Normalzustand herausbilden
konnte, die bei den Menschen im Alltag beginnt anzusetzen und
Kampfformen jenseits der Fokussierung auf Wahlen zu entwickeln. Dabei
müssen wir anerkennen, dass verschiedene Genoss*innen in der
Bündnis-Arbeit schlimmeres verhindert haben. Das in Trier keine Parteien
öffentlich auftreten konnten bei den großen Protesten, ja nicht einmal
sichtbar waren, und keine Nationalfahnen gewedelt werden durften, ist
positiv und zeigt den Rückhalt den antiautoritäre Positionen in der
linkspolitischen Szene in Trier im Moment haben. Auch die Kritik der
aktuellen Asylpolitik durch die Ampel-Regierung hatte breiten Raum
bekommen, wurde aber unserer Wahrnehmung nach von breiten Teilen der
Anwesenden kaum aufgenommen.
Die Problematik des Beharrens auf eine reine Ablehnung der AfD in der
Außenwirkung hat sich auch an verschiedenen anderen Aktivitäten in den
letzten Monaten gezeigt. So fiel die Gedenkkundgebung für die Opfer des
Anschlags in Hanau nicht merklich größer als die letzten Jahre aus, es
wurde nur spontan dafür mobilisiert und vielen der sonstigen Beteiligten
scheint das ignorieren rassistischer Politik durch die herrschenden
Parteien größtenteils egal zu sein. Das zeigt sich stark an dem viel
selbstständigeren Protest am 21. Januar in Kasel. Dieser war viel
selbstorganisierter aus alten Netzwerken hervorgegangen, was zu einer
weitaus spannenderen Mischung führte in welcher Deutschlandfahnen wehten
und vor allem der ökonomische und soziale Mehrwert von Geflüchteten und
ihrer Arbeitskraft als Legitimation gegen die rassistische Ideologie der
extremen Rechten genutzt wurde.
Auch wurde eine klassenkämpferische und soziale Perspektive kaum
aufgezeigt. Die schwache Präsenz und Sichtbarkeit von
Gewerkschafter*innen in Trier zeigt sowohl wie wenig Antifaschismus im
DGB verankert ist, als auch die relativ schwache Verankerung der
Gewerkschaften in Trier. Nur vereinzelt waren sie sichtbar und nicht
dazu in der Lage eine eigenständige Kraft zu werden die eine führende
Rolle einnimmt. Dahingehend müssen wir uns kritisch fragen, wie wir an
einen ähnlichen Punkt kommen können wie in Baden-Würtemberg, wo
antifaschistische Aktivist*innen gemeinsam mit den Gewerkschaften unter
dem Motto "Die rechte Welle brechen" Tausende mobilisieren konnten.
Unsere Aktivitäten
Obwohl Antifaschismus keines unser Kernarbeitsfelder darstellt sind wir
sowohl als Lokalgruppe der anarchakommunistischen Föderation die
Plattform, als auch als Einzelpersonen und Föderation seit Jahren an
dieser Front aktiv und haben versucht spontan zu tun was wir können um
unsere aktuelle Perspektive soweit wie möglich zu verbreiten. Wir
glauben, dass wir insgesamt gut sichtbar waren auf den Protesten.
Mit einem Hochtransparent, Fahnen, Flyern, einer Trommel, einem Kaffee
und Kuchen-Stand sowie einem Mitorganisiertem Block auf der letzten
Demonstration waren wir weithin gut sichtbar. Durch die langjährige
Arbeit und den Aufbau der Lokalgruppe sowie einigen sehr aktiven
Menschen war es möglich eine starke Präsenz nach außen zu haben.
Insbesondere der Kaffee und Kuchen Stand hat uns dabei positive
Erfahrungen sammeln lassen, im speziellen zu den kälteren
Demonstrationen. Die Überraschung der großen Teilnehmendenzahl Ende
Januar mit einer Überlastung der Technik führte zwischenzeitlich dazu,
dass der Stand als Anlaufpunkt für Fragen diente. Wir haben dabei
eindeutig unterschätzt wie wissbegierig viele Menschen waren und uns
wurden die wenigen Flyer innerhalb kürzester Zeit aus den Händen
gerissen. Sowohl die Flyer, welche eine gekürzte und angepasste Version
unserer Erklärung darstellte (4) als auch in unseren Reden versuchten
wir die Notwendigkeit einer langfristigen Organisierung im Alltag, als
auch als Antifaschist*innen zu betonen und auf die Erfahrung früherer
antifaschistischer Proteste aufzubauen. In der Praxis bedeutet dies seit
der zweiten Großdemonstration vom "Nie wieder ist Jetzt!" Bündnis,
unseren Fokus auf den Aufbau und die Unterstützung des OATs. Durch das
OAT konnte bei der letzten Demonstration eine kämpferische Position nach
außen vertreten werden mit Fokus auf der Schaffung von Strukturen für
langfristige antifaschistische Arbeit. Die Ergebnisse dieser Arbeit
werden wir hoffentlich in den kommenden Wochen und Monaten sehen. Das
bisherige Fehlen einer eigenständigen, offenen und kontinuierlichen
Antifaschistischen Organisierung in Trier hat sich dabei schmerzlich
gezeigt.
Während wir mit Repression durch staatliche Institutionen bisher nicht
weiter konfrontiert sind, hat die erhöhte Sichtbarkeit zu repressiven
Verhalten durch bürgerliche Akteure als auch der Presse geführt, welche
versucht haben uns und unsere Arbeit zu diskreditieren. Zum aktuellen
Zeitpunkt können wir feststellen, dass dies nicht funktioniert hat.
Perspektive
Die wachsende Resignation und abnehmende Teilnahme-Zahlen sind eine
unüberraschende Folge von Bewegungsdynamiken und der Übernahme durch
etablierte Kräfte. Jetzt nicht selber zu resignieren ist aber wichtig.
Weiterhin gilt unsere Unterstützung dem OAT, aber auch in anderen
Themenfeldern werden wir uns weiterhin dafür engagieren eine
antifaschistische Perspektive zu verbreitern. So fand der diesjährige
Feministische Kampftag in Trier unter dem Motto Fantifa* statt, um auf
die wachsende rechte Gefahr aufmerksam zu machen. Anstatt also nun im
Rahmen der aktuellen Proteste unsere ganze Energie auf den
antifaschistischen Kampf zu fokussieren, führen wir unsere sonstigen
Arbeiten fort und versuchen die aktuellen Ereignisse sinnvoll damit zu
verbinden (3). So bleibt Antifaschismus als Bewegung für die
Selbstverteidigung sozialer Bewegungen und der erkämpften Rechte
notwendig, nimmt uns aber auch nicht komplett ein.
Es gilt weiterhin an dem Aufruf aus der Erklärung "Ob AfD oder
Ampel-Regierung: Nur von unten können wir den Rechtsruck stoppen!":
"Die antifaschistische Massenbewegung bleibt das wirksamste Mittel im
Kampf gegen die Faschist:innen. Lasst uns also heute damit anfangen, sie
aufzubauen. Schulter an Schulter auf den Straßen unserer Städte und
Plätzen unserer Dörfer." (4)
Um weiter über den Zustand der antifaschistischen Bewegung mit uns zu
diskutieren laden wir euch herzlich ein am 29. April in die KSJ zu
kommen. Im Rahmen des Kritischen Semesterstarts in Trier (Kri.Se) halten
wir einen Vortrag über Perspektiven auf Antifaschismus und wollen
gemeinsam darüber ins Gespräch kommen.
Fußnoten
(1)
correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/01/10/geheimplan-remigration-vertreibung-afd-rechtsextreme-november-treffen
(2) antifa-sued.org/analyse-die-eine-welle-mitnehmen-die-andere-brechen
(3)
trier.dieplattform.org/2024/03/13/antipatriarchaler-kampftag-in-trier-ein-bericht
(4)
www.dieplattform.org/2024/01/26/ob-afd-oder-ampel-regierung-nur-von-unten-koennen-wir-den-rechtsruck-stoppen/#more-2859
Beitrags-Navigation
https://trier.dieplattform.org/2024/05/02/krise-vortrag-revolutionaerer-antifaschismus/
https://trier.dieplattform.org/2024/05/02/die-welle-ist-zuende-eine-reflexion-von-drei-monaten-antifaschistischer-proteste/
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