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(de) Germany,LIKO: "Wir nehmen uns die Straße!" (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Tue, 7 May 2024 08:25:48 +0300
Bei Demos, Streiks oder Kundgebungen wird der oft triste Alltag
durchbrochen. Wir kommen zusammen und verleihen unseren politischen
Überzeugungen kraftvoll Ausdruck. Der politische Kampf um den
öffentlichen Raum ist von zentraler Bedeutung für uns Linke und
Antifaschist*innen. ---- Doch sich die Straße zu nehmen, bedeutet weit
mehr als das! ---- Wir möchten mit diesem Text die Bedeutung der Straße
verdeutlichen, den Kämpfenden für eine bessere Welt unsere Solidarität
aussprechen und uns alle zum Weitermachen motivieren.
Die Bedeutung unseres Kampfes
Vielleicht hast du dieses Flugblatt gerade auf einer Kundgebung gegen
die AfD erhalten, vielleicht bei einem Streik oder einem Protest gegen
rechte Burschenschaften. Das ist gut so, du stehst hier genau richtig!
Gemeinsam wollen wir Rechten und Reaktionären jeglicher Couleur die
Straße streitig machen, ihnen den öffentlichen Raum nehmen, sie nicht
marschieren lassen, verhindern, dass sie ihre menschenverachtende
Ideologie verbreiten. Sicherlich, das kann anstrengend sein. Mal regnet
es, mal ist es kalt, mal sind wir nur wenige Menschen, die sich den
Rechten in den Weg stellen, für selbstverwaltete Räume kämpfen oder für
bessere Arbeitsbedingungen streiken.
Wir möchten Dich und auch zukünftige Freund*innen und Genoss*innen genau
dazu aufrufen. Und wir möchten Dir unsere Solidarität aussprechen. Linke
und Linksradikale, Antifaschist*innen - wir alle - dürfen die Bedeutung
des öffentlichen Raumes und des politischen Kampfes um die Straße nicht
unterschätzen. Die Wichtigkeit dieses Kampfes wollen wir hier
veranschaulichen - um weitere Menschen zu erreichen aber auch um uns
selbst darin zu bestärken, das zu tun, was wir tun, wenn wir uns die
Straße nehmen.
Antifaschismus als Selbstschutz
Wir verstehen Antifaschismus als Selbstschutz der Arbeiter*innenklasse -
unserer Klasse. Es geht darum unsere Viertel, unsere Communities und
alle öffentlichen Räume vor Rechten, Reaktionären und
antiemanzipatorischen Angriffen aller Art zu schützen und zu verteidigen.
Wir können und müssen uns bewusst machen, dass das, was uns eint, die
Zugehörigkeit zu unserer Klasse ist - wir besitzen kein Eigentum an
Produktionsmitteln und müssen unsere Arbeitskraft verkaufen und
Lohnarbeit leisten. Auch wenn sich Lebensrealitäten oder Erfahrungen
unterscheiden - wir bilden die Arbeiter*innenklasse. Doch um dies auch
zu begreifen, ist es notwendig sich zu treffen, sich kennen zu lernen
und zu vernetzen. In dem Dokumentarfilm "Wir brauchen keine Erlaubnis"
von Pietro Perotti über die Arbeitskämpfe bei Fiat im Italien der
70er-Jahre bekräftigte dieser: "In diesem Kampf ist es wichtig, nicht
vereinzelt zu bleiben." Hierbei bezog er sich auf eine der zahlreichen
Demonstrationen der Arbeiter*innen; nicht zuletzt wurde demonstriert, um
zusammen zu kommen. Wir stimmen zu: Nur im Austausch miteinander,
insbesondere auch auf unseren Demonstrationen, kann sich
Klassenbewusstsein entwickeln. Nutzen wir sie als Raum für Diskussionen,
Austausch und Organisierung. Demos sind mehr als nur ein "Event" - das
sollten wir begreifen.
Also auf die Straße
Bei Demos, Streiks oder Kundgebungen wird der oft triste Alltag
durchbrochen. Man ist solidarisch, kämpferisch und laut gegen Monotonie
und Vereinzelung. Das ist empowernd, die Kraft, die in unserer Bewegung
steckt, wird hier spürbar - nach innen wie nach außen. Diese
Selbstbemächtigung brauchen wir insbesondere für längere Kämpfe: Wir
lernen einander kennen, beginnen einander zu vertrauen, erringen
zusammen politische Erfolge oder teilen vielleicht schmerzliche Erfahrungen.
Zudem werden die eigenen politischen Inhalte durch eine gemeinsame
Aktion in die Öffentlichkeit katapultiert. Umstehende Menschen nehmen
uns und unsere Anliegen wahr, können mit Inhalten erreicht und
vielleicht sogar überzeugt werden, während der jeweilige politische
Gegner demaskiert, blockiert oder abgeschirmt werden kann.
Der Staat geht genau dagegen immer häufiger vor: Unsere Demos werden
bereits vor dem Start abgefilmt, mit engem Spalier durch die Cops
begleitet, sodass wir unsere politischen Inhalte bspw. durch
Transparente kaum mehr auf die Straße bringen können. Transparente
werden so schlicht nicht mehr sicht- und lesbar; und das nicht zuletzt,
weil ihre Größe und Länge von den Cops vorgegeben, also begrenzt, wird.
Mal werden wir gekesselt, mal dürfen gar nicht erst loslaufen. Im
schlechtesten Fall knüppeln die hochgerüsteten Cops in die Demo und
überziehen sie mit Pfefferspray oder lassen Wasserwerfer auffahren. Dies
beweist nicht zuletzt eines: Wenn wir uns als (radikale) Linke die
Straße nehmen, reagiert die Staatsmacht nervös.
Die immense Akribie, mit der versucht wird Menschen und ihre Aktionen zu
kriminalisieren und mit Repressionen zu überziehen, zeigt sich dann auch
abseits von Demos oder Kundgebungen, wenn wir z.B. das graue Pflaster
verschönert haben: Politische Aufrufe und Inhalte die - ob geklebt oder
durch Graffiti - in die Städte gebracht werden, sind geeignet Menschen
zu erreichen. Das macht diese Form des Aktivismus für Staat und
Polizeiapparat umso unliebsamer. Wir wissen, dass ein Großteil
politischer Agitation und Informationsverbreitung sowie auch
Diskussionen und Debatten in den Sozialen Medien stattfinden. Die
Algorithmen der Sozialen Medien fördern linke Themen und linken Content
nicht, mag der Output auch groß sein. Denn der Algorithmus ist nicht
willkürlich - es geht um Vermarktung; linker Content wirkt dabei oft als
Fremdkörper. Diese Kanäle sollten also nicht allein die Mittel unserer
Kommunikation sein. Auch wenn insbesondere die extreme Rechte in den
"Social Media" hetzt und sich dort zu inszenieren versucht: Ihre Taten,
die Auswirkungen ihres widerlichen Denkens, erleben wir auf unseren
Straßen. Dort müssen wir daher zuerst sein, gemeinsam, um so den Rechten
den öffentlichen Raum streitig zu machen und damit uns und unsere
Communities zu schützen.
Keine Toleranz der Intoleranz
Dass dies Erfolge mit sich bringen kann, zeigt die antifaschistische
Mitmachkampagne "Den Rechten die Räume nehmen" in Osnabrück. Mit einer
unverändert hohen Zahl an Teilnehmenden, die sich im zweiwöchigen
Rhythmus treffen und organisieren, gelang es regelmäßig sich den
Infoständen der AfD entgegenzustellen, das Verbreiten ihrer Inhalte
einzudämmen und einen Austausch mit den wenigen interessierten Leuten in
hohem Maße zu erschweren bzw. massiv einzuschränken. Der vorerst letzte,
eigentlich noch angekündigte Auftritt der lächerlich kleinen AfD-Truppe
(Stand März 2024) wurde "krankheitsbedingt" abgesagt. Eine kämpferische
Demo zog am 27. Januar 2024 durch Osnabrück, legte rechte Strukturen
offen und setzte ein starkes Zeichen antifaschistischer Geschlossenheit
an die antiemanzipatorischen Akteure der Stadt. Im Zuge der anhaltenden
Proteste, der Recherchen und Veröffentlichungen der Kampagne verlor die
AfD ihren Versammlungsort in Osnabrück. Über Jahre hatte sich die AfD in
den Hinterzimmern eines Restaurant zur Vernetzung und Infoabenden
getroffen. Der antifaschistische Druck auf den Restaurantbetreiber war
für ihn zu groß geworden, was dieser zähneknirschend einsehen musste.
Als am 13. Februar 2011 zum wiederholten Mal eine der größten
europäischen Neonaziversammlung der Bombardierung Dresdens 1945 in
geschichtsrevisionistischer und holocaustrelativierender Weise
"gedenken" wollten, konnte dies in beeindruckender Weise verhindert
werden. Antifaschist*innen aus zahlreichen Städten und ein breites
Bündnis hatten über Monate erfolgreich nach Dresden mobilisiert und die
Organisation des Gegenprotests bewerkstelligt. Am 13. Februar selbst
waren es über 20.000 Menschen, die gegen den Aufmarsch demonstrierten.
Mehr noch: über 10.000 Menschen sorgten durch zahlreiche
(Sitz-)Blockaden und teils militant nicht nur dafür, dass die Nazis
nicht laufen konnten. Tausende Antifaschist*innen überwanden
Polizeisperren und gelangten so zum Bahnhofsgelände, dem eigentlich
angedachten Kundgebungsort der Neonazis. Die Zufahrtsstraßen zum Bahnhof
wurden blockiert und Barrikaden errichtet. Auch die Versuche der Polizei
diese aufzulösen, blieben durch die Entschlossenheit dieser
antifaschistischen Aktion erfolglos. Viele Neonazis konnten so weder
demonstrieren, noch gelangten sie überhaupt zum Kundgebungsort. Der zu
diesem Zeitpunkt größte Neonazi-Aufmarsch, welcher für die Szene auch
über Deutschland hinaus eine wichtige Möglichkeit der Vernetzung
darstellte, konnte so unterbunden werden. An ihre früheren
Mobilisierungen konnten sie hiernach nicht mehr anknüpfen.
Beide Beispiele zeigen eindrücklich: Machen wir den Faschos die Straße
so entschlossen streitig, trauen sie sich (auf diesen) auch weniger.
Das gute Leben? Für alle!
Gleichwohl sollte unser Bestreben sein, die Straße nicht nur in
Abwehrkämpfen gegen Reaktionäre zu verteidigen, sondern verstärkt dazu
überzugehen, mit eigenen Themen und Inhalten aufzutreten, in denen die
Kämpfe für das gute Leben für alle deutlich, sicht- und spürbar werden
Seien wir aktiv, seien wir präsent und ansprechbar.
Lernen wir einander kennen, vernetzen wir uns
und bauen unsere Strukturen auf.
Raus auf die Straße -
Reclaim the streets!*
*... und sollte es dafür zu kalt sein, dann kommt doch gerne jeden 1.
und 3. Dienstag im Monat um 19:00 Uhr in das SubstAnZ (Frankenstraße
25a) zum Offenen Antifa-Café;)
https://likos.noblogs.org/2024/04/23/wir-nehmen-uns-die-strasse/
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