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(de) [LA HAINE] Wir koennen nicht am WSF in Porto Alegre teilnehmen, weil wir glauben, dass eine andere Welt nur durch die Zerstoerung des Kapitalismus moeglich ist.
From
FAU Duisburg 2 <faumo2@fau.org>
Date
Sat, 11 Jan 2003 00:29:49 +0100
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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
http://ainfos.ca/index24.html
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[Antwort von LA HAINE auf die Einladung des "Movimiento Piquetero de
Pié, an einer Arbeitsgruppe zum Thema Kommunikation auf dem
Weltsozialforum 2003 (WSF) in Porto Alegre teilzunehmen]
http://www.lahaine.org/global/no_capitalismo.htm
Genossen von Barrios de Pie,
Wir freuen uns über eure Einladung am Weltsozialforum in Porto Alegre
teilzunehmen, aber wir können Sie nicht annehmen.
Wir werden nicht zum WSF gehen, weil wir nicht an dessen
Voraussetzungen und Grundlagen glauben.
Wir glauben nicht an die Möglichkeit eines "Dritten Weges", der weder
Kapitalismus noch Sozialismus sein soll und auch nicht an eine bessere
Welt durch einen "Neuen Kapitalismus", der "humaner und solidarischer"
sein soll, damit die Globalisierung "zivilisierter und humaner" wird.
Wir glauben nicht daran, dass - wie auf dem letzten WSF gesagt wurde -
eine "zweite Phase" der Globalisierung notwendig ist weil "die erste
Phase ... viel Armut und soziale Ungleichheit erzeugt hat, weil sie die
sozialen Aspekte kaum berücksichtigt hat".
Wir glauben nicht an ein Forum, dass neben anderen Gestalten durch den
Direktor von Le Monde Diplomatique und Präsidenten von ATTAC
Frankreich, Bernard Cassen, organisiert wird, die diesen Forum dazu
benutzen, das "neue" politische Konzept der "organisierten
internationen Zivilgesellschaft" durchzusetzen, in der es keine
Unterschiede zwischen ArbeiterInnen und Bossen gibt.
Wir glauben nicht an ein Forum, dass weder baskische noch kubanische
Gruppen einlädt, keine Intelektuellen wie James Petras oder
KämpferInnen wie die Mütter der Plaza de Mayo oder die kolumbianische
FARC, stattdessen aber französische Minister, Verfolger politischer
Strömungen wie den spanischen Richter Baltasar Garzón und Mitglieder
der brasilianischen Regierung.
Wir glauben nicht daran, dass "die gewählte Demokratie gestärkt werden"
müsse, wie in der Abschlusserklärung des letzten WSF vorgeschlagen.
Wir glauben nicht daran, dass für die "Abschaffung der
Auslandsverschuldung" einer Übereinkunft mit den Gläubigern erzielt
werden muss, wie das WSF nahelegt.
Wir glauben nicht daran, dass man eine Grußbotschaft des
UN-Generalsekretärs, Kofi Annan, an das letzte WSF als "Erfolg"
bezeichnen kann, in der dieser feststellte, dass die
"Zivilgesellschaft" sich bereithalten müsse, "gemeinsam für eine Wandel
zu arbeiten, statt eine indifferente und zweideutige Haltung
hinsichtlich einer Politik der Konfrontation einzunehmen".
Wir glauben an das, was im Manifest der jungen brasilianischen
Antikapitalisten während des Camps gegen das erste WSF gesagt wurde:
"Eine andere Welt ist nur dadurch möglich, dass ... der Kapitalismus
zerstört wird".
Wir glauben an die Selbstverwaltung, die Dezentralisierung, die direkte
Demokratie und die Autonomie als Antwort auf das Gewaltmonopol, die
Information, die Kultur und die Verwaltung des Reichtums, derer sich
derzeit der Imperialismus bedient. Wir glauben daran, dass der
Aufstände nicht "terroristisch" sind, terroristisch ist vielmehr die
staatliche Repression gegen sie. Wir glauben daran, dass der Wandel hin
zu einer ökologischeren, feministischeren und solidarischeren Welt
radikal sein muss.
Wir wissen, dass Initiativen wie das WSF nicht mehr sind, als eine
Antwort der globalisierten Sozialdemokratie und des linken Flügels des
Kapitals um die Einstellungen von Oppositions- und
Widerstandsbewegungen einzudämmen. Bewegungen, die für das System sehr
wohl beunruhigend sind und die durch die reformistischen Pole, in denen
sich das Schlechteste der neoliberalen europäischen Sozialdemokratie
versammelt hat, zum Schweigen gebracht werden sollen, während
"politisch unkorrekte" Optionen an den Rand gedrängt und aus dieser
gütigen sogenannten "Antiglobalisierung" ausgeschlossen werden sollen.
Wir sind ein Planet von Schafen, die von einem Rudel Wölfe behütet
werden, für die wir nicht mehr sind, als das Mittel zur Befriedigung
eines immerwährenden Hungers. Das WSF erweckt den Eindruck, als wäre es
möglich, diese Realität so zu ändern, dass daraus eine kooperative und
gleichwertige Beziehung zwischen Gleichen wird. Eine Sache, die der
Natur der Wölfe völlig entgegengesetzt ist.
Wir behaupten, dass die Natur der Wölfe so ist, wie sie ist, dass diese
nun mal Fleischfresser sind und dass sie deshalb nicht damit aufhören
werden, sich von uns zu ernähren, solange sie existieren. Wir können
deshalb nicht an diesen Foren teilnehmen, weil diese - bewußt oder
nicht - im Austausch für ein wenig Teilhabe am neokapitalistischen
Besäufnis mit den Unterdrückern zusammenarbeiten.
Wir kennen diese für das System notwendige Rolle der Lähmung von
Widerstand durch Versprechungen mehr als zur Genüge. Versprechungen,
die bestenfalls darauf hinaus laufen, dass sich tatsächlich absolut
keine der Ungerechtigkeiten ändert, gegen die wir kämpfen.
Da dies so ist und da wir aus Überzeugung einen politischen Weg
verfolgen, der von demjenigen der Repäsentanten des WSF grundsätzlich
verschieden ist, können wir nicht anders als eure liebenswerte
Einladung ablehnen und stattdessen weiter für eine Menschheit frei von
Unterdrückern zu kämpfen.
Wir sind aber jederzeit bereit, über neue Organisationsformen und
Treffen außerhalb dieser Struktur zu diskutieren, die sich anfangs als
hoffnungsvolle Idee darstellte, heute aber wie viele andere auch durch
eine Politik der Versöhnung absorbiert ist.
Da auf dem WSF die Teilnahme verschiedener Organisationen verboten
wurde, weil man sie als nicht "respektabel" und "tolerant" ansieht, hat
auch La Haine, die wir ebenfalls nicht in dieses Modell passen, dort
nichts zu suchen.
EInen solidarischen Gruß an den mutigen Kampf der argentinischen
Bevölkerung
La Haine
http://www.lahaine.org/
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