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(de) Griechenland: Brief von 2 inhaftierten Anarchisten

From abcibk@hushmail.com
Date Tue, 24 Apr 2001 03:43:39 -0400 (EDT)


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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Von: Anarchists' Coil, Athen, 3. April 2001
GenossInnen,
Am 9. Maerz 2001 wurden 2 Anarchisten in Salonico (Griechenland) ohne Beweislage 
verhaftet. Ihnen werden Brandanschlaege gegen jene vorgeworfen, die direkt 
verantwortlich an der Ermordung des 3 Jahre alten Panagiotis Vasilelis aus 
Mitilini sind. Die Polizei hat DNA Proben von unseren zwei Genossen genommen,
 selbstverstaendlich ohne deren Einverstaendnis. Hier der Brief, den sie 
nach ihrer Verhaftung verschickt haben. (Für weitere Infos aus einem unserer 
früheren ABC_D Infos siehe weiter unten)...

SIE SPRECHEN VON ZERBROCHENEN FENSTERSCHEIBEN... WIR SPRECHEN VON LEBEN!

"Wir werden seit dem 13. Maerz 2001 im Gefaengnis von Diabaton festgehalten 
und angeklagt am 8. Maerz 2001 Brandanschlaege auf die Nationalbank, das 
Gesundheitsministerium und 'Star Channel' veruebt zu haben. Die einzigen 
Beweisstuecke gegen uns sind die Aussagen von zwei Polizisten, die versuchen 
uns mit laecherlichen Beschuldigungen fuer die oben genannten Anschlaege 
verantwortlich zu machen. Sie wissen ganz genau, dass wir als Anarchisten 
nie (nicht einmal fuer eine Sekunde) daran gedacht haben den Widerstand 
aus der Gesellschaft gegen deren MoerderInnen zu verurteilen. Die Polizei 
hat es geschafft uns einzuknasten (weil wir fuer sie durch unsere sozialen 
Aktivitaeten ein Problem darstellen). Unter Bedingen, die jenen der Militaerdiktatur 
aehneln, haben sie uns ueber 20 Stunden lang verweigert Kontakt mit einem 
Anwalt aufnehmen zu duerfen, uns in strikter Isolationshaft gehalten, DNA 
Proben von unseren Haaren entnommen, und uns unter Entfuehrungsaehnlichen 
Konditionen zum Gericht gebracht (in Geheimhaltung und ueber einen unterirdischen 
Parkplatz, so dass wir keinen Kontakt zu unseren GenossInnen draussen hatten). 
Gleichzeitig haben sie betont, dass die Taeter der Anschlaege inhaftiert 
werden muessen, damit die Gesellschaft die derzeitigen sozialen Geschehnisse 
vergisst. Und dies ist ihnen gelungen! Die Polizei war sehr produktiv in 
dieser Zeit! Das methodische Vorgehen der Polizei um ihre Bosse zu schuetzen 
hat einwandfrei funktioniert. Wir wussten von Anfang an, dass wir als 'Schuldige' 
und 'Gesetzlose' angeklagt werden wuerden. Selbstverstaendlich haben wir 
nie erwartet, dass die StaatsanwaeltInnen und den ErmittlerInnen anders 
handeln wuerden, zumal sie all die menschlichen Leben, die ausgebeutet werden 
nie in Betracht gezogen haben. Diese 'RichterInnen der menschlichen Freiheit' 
kuemmern sich nicht um die alltaeglichen MoerderInnen und Verbrechen um 
uns herum (Industrieunfaelle, Drogenmorde, Obdachlose, Kindersausbeutung,
 Mord an ImmigrantInnen usw.). Alles um was sie sich sorgen ist die anstaendige 
Ausfuehrung ihrer Pflichten, was nichts anderes ist wie das Gehorchen der 
oberen Zivil- und Polizeiautoritaeten. Um ihre Rolle und Position zu sichern 
haben sie uns genau dafuer eingekerkert, woraus wir nie einen Hehl gemacht 
haben:
- Dass wir hier auf Seiten der Verdammten stehen.
- Dass wir unser Leben und unsere Wuerde verteidigen, aber auch das Leben 
und die Wuerde aller Unterdrueckten.
- Dass wir uns ihren Gewehren und ihrem Geld nie ergeben haben.
- Dass wir nie daran geglaubt haben, dass es in dieser Gesellschaft auch 
nur eineN RichterIn, PolizistIn, Reiche(n) gibt, der die Hand beissen wuerde 
die ihn/sie fuettert, ganz zu schweigen davon, dass sie wissen wuerden was 
Begriffe wie "Wahrheit", "Wuerde", "menschliches Wesen", "Leben" bedeuten.
- Dass wir Anarchisten sind, was bedeutet, dass wir die Untergrabung der 
unterdrueckenden Strukturen dieser Gesellschaft wuenschen und suchen, indem 
wir die TyrannInnen jeden Tag bekaempfen. Wir weigern uns auch gegen die 
Bevoelkerung zu kaempfen und sie zu betruegen. Wir verweigern uns auch als 
PartnerInnen in der alltaeglichen Ausrottung und Demuetigung der unteren 
sozialen Klassen, der Degradierung vom menschlichen Verstand und Koerper,
 der gewalttaetigen Unterdrueckung der "anderen", "AuslaenderInnen", "Anonymen" 
und die Zerstuemmelung der ArbeiterInnen. Wir lassen uns nicht durch unsere 
"Kriminalisierung" einschuechtern. Wir sind hier um zu kaempfen, unser Leben 
zu verteidigen und all das jener Individuen, die in ihre blutigen Haende 
fallen.
IN DEN KERKERN DER POLIZEIHAUPTQUARTIERE UND UNSEREN GEFAENGNISZELLEN WAECHST 
UNSERE WUERDE, UND WIRD STAERKER UND STAERKER, IM GEGENSATZ ZU IHREN LAECHERLICHEN,
 BLUTBESUDELTEN BUERORAEUMEN.
All jenen die glauben, dass wir unsere UEberzeugung durch die Inhaftierung 
verkaufen werden, geben wir beiden die Antworten, die wir nur zu gut kennen:
- Wenn Morde an ArbeiterInnen als "Industrieunfaelle" bezeichnet werden
- Wenn das System zur Herstellung von loyalen Subjekten als "Erziehungswesen" 
bezeichnet wird
- Wenn Metzgereien als "Krankenhaeuser" bezeichnet werden
- Wenn allgemeine Vergiftung durch chemisches Essen und genetisch veraenderte 
Produkte als "Fortschritt in der Wissenschaft" bezeichnet wird
- Wenn Hirnwaesche und Lobotomie als "Massenmedien" bezeichnet wird
- Wenn Hungerpensionen als "Sozialhilfe" bezeichnet wird
- Wenn Informieren als grosser Beitrag zur sozialen Sicherheit angesehen 
wird
- Wenn Knaeste und psychiatrische Kliniken als "Sicherheit der ZivilistInnen" 
betitelt werden
- Wenn der gegenwaertige Gott "Geld" genannt wird
DANN WAR UND WIRD UNSERE EINZIGE MOEGLICHKEIT DER AKTIVE UND STETIGE WIDERSTAND 
SEIN. KEIN SCHRITT ZURUECK!
SOLIDARITAET MIT DEN INHAFTIERTEN KAEMPFERiNNEN A. LESPEROGLOU, S. SEISIDIS 
UND ALL JENEN, DIE DEM SYSTEM, DAS UNSER LEBEN STIEHLT, WIDERSTEHEN!

Thomas Fourlis
Thodoris Ginalas

15. Maerz 2001

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Am 8. Maerz 2001 wurden 3 selbstgebaute Sprengsaetze vor 2 Banken und einem 
Fernsehsender in Salonica plaziert. Nur einige, wenige Stunden spaeter werden 
die beiden Anarchisten T. FOURLIS und T. GINALAS verhaftet und als Urheber 
dieser Sprengsaetze beschuldigt. Ihre Verhaftung kam deshalb zustande weil 
ein Polizist die beiden Anarchisten anscheinend gesehen hat, wie sie sich 
"verdaechtig" in der unmittelbaren Umgebung des Tatortes aufgehalten hatten. 
Waehrend der Verhaftung wurde den beiden Aktivisten Haare abgenommen, zwecks 
DNA-Analyse. Diese repressive Massnahme wurde unlaengst in Griechenland 
durch die neuen Anti-Terror-Gesetze eingefuehrt (die massgeblich auf Druck 
der USA in Kraft traten).
Eine buergerliche Tageszeitung hat am darauffolgenden Tag behauptet die 
beiden Angeklagten haetten gestanden, was in keiner Weise stimmt. Am 13. 
Maerz 2001 wurden die beiden Anarchisten dann in den Knast ueberstellt.
Die griechischen Behoerden benutzen seit zirka 2 Jahren immer wieder die 
gleichen Taktiken um politische GegnerInnen verhaften zu koennen, naemlich 
indem sie einfach behaupten die TaeterInnen wiedererkannt zu haben. Auf 
diese Weise versuchen sie die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Bevoelkerung 
mit den Staatsbuettel zu kompensieren.

Der Staat ist der einzige Terrorist !!!
Sofortige Freilassung der Anarchisten Fourlis und Ginalas !!!
Solidaritaet mit jenen, die gegen den Staat und seine Machinerie kaempfen 
!!!


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